Chinas Automarkt erreicht einen historischen Meilenstein. Zwei von drei verkauften Neuwagen fahren mittlerweile elektrisch. Für den Marktführer BYD ist das eine exzellente Nachricht. An der Börse reagiert die Aktie mit weiterer Schwäche.

Anfang Juni kletterte der Anteil von New Energy Vehicles in China auf fast 67 Prozent. Batterieelektrische Autos und Plug-in-Hybride dominieren das Straßenbild. Der Gesamtmarkt schrumpft parallel dazu spürbar. Die gesamten Pkw-Verkäufe fielen im gleichen Zeitraum um 23 Prozent.

BYD verteidigt in diesem Umfeld seine Spitzenposition. Im Mai sicherte sich der Konzern fast 22 Prozent Marktanteil. Das entspricht rund 207.000 verkauften Fahrzeugen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Rückgang. Gegenüber dem Vormonat verzeichnet das Unternehmen ein leichtes Plus.

Schwacher Gesamtmarkt belastet

Die hohe Elektro-Quote verdeckt ein grundlegendes Problem. Die chinesische Inlandsnachfrage schwächelt massiv. Reine Verbrenner sind im Mai erstmals komplett aus den zehn meistverkauften Modellen verschwunden. Kurz gesagt: Ein höherer Elektro-Anteil bringt nicht automatisch mehr Wachstum.

Chinesische Autobauer suchen ihr Heil im Export. Die Pkw-Ausfuhren stiegen im Mai um 73 Prozent. Der Export von Elektroautos hat sich sogar mehr als verdoppelt. Auch BYD treibt seine Expansion im Ausland aggressiv voran. Geringere Subventionen im Heimatmarkt zwingen das Management zu diesem Schritt.

Aktie nahe am Jahrestief

Die Folge: Investoren bleiben skeptisch. Die BYD-Aktie notiert aktuell bei 9,45 Euro. Damit bewegt sich das Papier gefährlich nahe am Jahrestief von 9,25 Euro. Seit einem Jahr steht ein Minus von rund 34 Prozent auf der Anzeigetafel.

Konzernchef Wang Chuanfu versuchte auf der Hauptversammlung zu beruhigen. Er erwartet für BYD den Aufstieg zum weltgrößten Autobauer innerhalb von fünf Jahren. Die kurzfristigen Verkaufszahlen hängen laut Wang stark von der Batterieproduktion ab. Der Preiskampf drückt indes weiter auf die Stimmung.

Der strukturelle Wandel hin zur Elektromobilität reicht für eine Kurserholung allein nicht aus. BYD muss beweisen, dass steigende Marktanteile auch stabile Margen liefern. Fällt das Wachstum im Exportgeschäft schwächer aus als erhofft, droht ein direkter Test der Unterstützung bei 9,25 Euro.