BYD hat im August weltweit 440.293 Elektro- und Hybridfahrzeuge verkauft, ein Plus von 17,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Monatswert des laufenden Jahres.
Treiber dieses Rekords ist nicht China, sondern das Ausland: Dort setzte der Konzern 189.466 Fahrzeuge ab, mehr als doppelt so viele wie im August 2025. Im Heimatmarkt dagegen brach der Absatz um 14,3 Prozent auf 250.827 Einheiten ein. Erstmals machten Auslandsverkäufe im August damit mehr als 43 Prozent des Gesamtabsatzes aus.
Die Zahlen bestätigen ein Muster, das sich schon im ersten Halbjahr abzeichnete. Im zweiten Quartal stieg der Nettogewinn um 30 Prozent auf 8,2 Milliarden Yuan, während der Umsatz um 3 Prozent zurückging – der erste Quartalsgewinnzuwachs seit fünf Quartalen.
Für das gesamte erste Halbjahr blieb unter dem Strich dennoch ein Rückgang: Der Umsatz sank um 7,13 Prozent auf 344,8 Milliarden Yuan, der Nettogewinn brach um gut ein Fünftel ein. Der Auslandsumsatz übertraf im ersten Halbjahr erstmals den Inlandsumsatz und machte gut die Hälfte der Gesamterlöse aus.
Regulierung als neue Unbekannte
Just in diesem Moment wachsender Exportabhängigkeit greift Peking regulierend ein. Chinas Handelsministerium veröffentlichte gemeinsam mit dem Industrieministerium MIIT und der Marktaufsicht SAMR am Dienstag erstmals ein Regelwerk mit 20 Vorgaben für das Auslandsgeschäft chinesischer Autobauer.
Die Hersteller sollen ihre Preise an Kosten und lokalen Marktbedingungen ausrichten, häufige oder abrupte Preisänderungen vermeiden und die Preishoheit der Händler respektieren. Der Hintergrund: Chinas Fahrzeugexporte kletterten von Januar bis Juli um 54 Prozent auf 6,41 Millionen Einheiten, und die aggressive Preispolitik der Hersteller sorgt international für wachsenden politischen Widerstand.
Für BYD ist das ein zweischneidiges Signal. Einerseits bestätigt die schiere Exportdynamik die Strategie, über Auslandsmärkte die Schwäche im hart umkämpften Heimatmarkt auszugleichen.
Andererseits drohen die neuen Leitlinien genau jenen Preisvorteil zu beschneiden, mit dem BYD bislang Marktanteile gewann. Hinzu kommen bereits bestehende Handelshemmnisse: In der EU zahlt der Konzern Einfuhrzölle von bis zu 35,3 Prozent, in Brasilien sind es 35 Prozent.
Expansion trotz Gegenwind
Trotz der regulatorischen Unsicherheit treibt BYD seine internationale Präsenz weiter voran. In Kanada bekundete der Konzern laut Medienberichten Interesse an der Übernahme eines stillgelegten Stellantis-Werks im ontarischen Brampton, um dort Elektrobusse zu fertigen.
Kanada hatte zuvor ein zweites Importfenster für chinesische Elektrofahrzeuge mit reduziertem Zollsatz von 6,1 Prozent statt 100 Prozent geöffnet – ein Marktzugang, den auch Geely und Chery vorbereiten sollen.
An der Börse kommt die gemischte Gemengelage bislang schlecht an. Die Aktie notiert aktuell bei 9,42 Euro und hat allein in den vergangenen sieben Handelstagen 6,5 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 12,49 Euro, erreicht Anfang Oktober vergangenen Jahres, trennen das Papier mittlerweile 25 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 38 deutet auf anhaltenden Verkaufsdruck hin, ohne dass bereits überverkaufte Extremwerte erreicht wären.
Für Anleger bleibt die Kernfrage bestehen: Der Exportboom liefert operative Substanz und stützt die Marge, doch die neuen Leitlinien aus Peking sowie die schwelenden Handelskonflikte mit den USA und Kanada zeigen, wie politisch verwundbar dieses Wachstumsmodell geworden ist.
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