BYD hat im Juli wieder Fahrt aufgenommen. Der chinesische Autobauer verkaufte 419.211 New Energy Vehicles im Großhandel, ein Plus von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Es ist bereits der dritte Monat in Folge mit Wachstum, und das Tempo hat sich gegenüber dem Juni-Anstieg von lediglich 5,46 Prozent deutlich beschleunigt. Für mich ist das der Beweis, dass die Produktionsprobleme rund um die zweite Generation der Blade-Batterie mit Schnellladefunktion, die zuletzt Lieferzeiten bei wichtigen Modellen verlängert hatten, allmählich abgearbeitet werden. Die eigentlich spannende Frage ist aber eine andere: Reicht das Tempo, um das ambitionierte Jahresziel noch zu erreichen?
Das Ausland trägt, das Inland bremst
Der Wachstumsmotor sitzt klar außerhalb Chinas. Die Auslandsverkäufe von Pkw und Pick-ups erreichten im Juli einen Rekordwert von 179.841 Einheiten, ein Sprung von 124,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit macht das Auslandsgeschäft inzwischen rund 43 Prozent der Monatsverkäufe aus. In Europa hat BYD Medienberichten zufolge Tesla im ersten Halbjahr 2026 bei den Neuzulassungen sogar überholt: 174.144 gegenüber 170.351 Fahrzeugen. Das ist kein Randnotiz-Ergebnis, sondern ein handfester Beleg dafür, dass die europäische Expansionsstrategie funktioniert.
Konsequent baut BYD diese Position aus. Ab dem vierten Quartal 2026 soll im ungarischen Szeged, wo für rund 4 Milliarden Euro ein Werk entsteht, die Montage beginnen – zunächst mit dem Dolphin Surf. Fahrzeuge aus lokaler Fertigung gelten als europäische Produktion und entgehen damit Zöllen vollständig. BYD-Vizepräsidentin Stella Li peilt an, bis 2028 sämtliche europäischen Elektrofahrzeuge lokal zu produzieren. Wer die Zollpolitik gegenüber chinesischen Herstellern kennt, erkennt hier eine kluge, langfristig angelegte Absicherung – und genau das macht mich beim Blick auf die Europa-Story vergleichsweise entspannt.
Die Zielmarke bleibt eine enge Rechnung
Anders sieht es bei der Gesamtjahresbilanz aus. Von Januar bis Juli verkaufte BYD 2.227.722 NEV, ein Rückgang von 10,54 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Immerhin hat sich der Rückgang gegenüber dem Minus von 15,72 Prozent im ersten Halbjahr merklich verlangsamt. Trotzdem bleibt die Ausgangslage anspruchsvoll: Nach 1,81 Millionen verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr müsste BYD Bloomberg zufolge im weiteren Jahresverlauf im Schnitt rund 530.000 Fahrzeuge pro Monat absetzen, um wenigstens die untere Grenze des Jahresziels von 5 bis 5,5 Millionen zu erreichen. Der Juli-Wert von 419.211 NEV liegt spürbar darunter. Meiner Einschätzung nach ist die Erholung real, aber sie muss sich in den kommenden Monaten noch einmal deutlich beschleunigen, damit aus der Trendumkehr eine Zielerreichung wird. Genau an dieser Lücke wird sich zeigen, ob die aktuelle Dynamik trägt oder nur eine Stabilisierung auf niedrigerem Niveau ist.
Roboter-Ambitionen treffen auf geopolitischen Gegenwind
Parallel zum Kerngeschäft treibt BYD die Diversifikation voran. Anfang August soll der humanoide Roboter Xiao Di debütieren, der Kunden in Autohäusern begrüßen und damit Teslas Optimus herausfordern soll. Ambitioniert ist das zweifellos – nur trifft dieser Vorstoß auf ausgerechnet den Markt, der ihn am schwersten machen könnte. Die US-Regulierungsbehörde FCC genehmigte am 28. Juli strikte Importbeschränkungen für neu entwickelte humanoide Roboter aus China sowie für vernetzte Wechselrichter, mit Verweis auf nationale Sicherheit, den Schutz der heimischen KI-Industrie und Spionagerisiken. Die Regeln zielen explizit auf neue, bislang nicht zugelassene Modelle – und betreffen damit Xiao Di direkt. Für mich ist das ein Lehrstück dafür, wie schnell technologische Ambition an geopolitischer Realität scheitern kann, noch bevor das Produkt überhaupt im Handel ist.
Daneben arbeitet BYD am Markenbild: Der Da Han, das erste D-Segment-Flaggschiff der Dynasty-Reihe mit einer Reichweite von 1.008 Kilometern, feiert am 21. August auf der Chengdu Auto Show sein Debüt. Eine Partnerschaft mit Paris Saint-Germain als Sponsor soll zusätzlich globale Sichtbarkeit schaffen.
Fazit
An der Börse notiert BYD am Freitag bei 10,04 Euro, nach einem Minus von 6,25 Prozent seit Jahresbeginn und einem Abstand von 24,17 Prozent zum 52-Wochen-Hoch vom 26. August 2025. Der Kurs spiegelt aus meiner Sicht ziemlich genau das Bild, das sich aus den Zahlen ergibt: eine Erholung, die Substanz hat, aber noch nicht ausreicht, um Zweifel restlos auszuräumen. Am 9. August wird die für das Geschäftsjahr 2025 beschlossene Schlussdividende von 0,358 Renminbi pro Aktie ausgezahlt, am 29. August folgen die nächsten Quartalszahlen. Bis dahin bleibt die Kernfrage offen, ob BYD das Tempo noch einmal steigern kann – oder ob das Jahresziel am Ende knapp verpasst wird.
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