BYD steckt mitten in einem Balanceakt zwischen globaler Expansion und hausgemachten Problemen. Während der chinesische Autobauer seine Verkäufe außerhalb Chinas im Rekordtempo steigert, sorgen eine politische Untersuchung in Ungarn und eine Rückrufaktion in Australien für Gegenwind.
Auslandsgeschäft trägt den Konzern
Im Juni 2026 verkaufte BYD nach eigenen Angaben 175.349 Fahrzeuge außerhalb Chinas – ein Plus von 94,73 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und ein neuer Rekordwert. Im gesamten ersten Halbjahr 2026 kletterten die Auslandsverkäufe um 70,65 Prozent auf 792.256 Einheiten, was mittlerweile 43,81 Prozent des Konzernabsatzes ausmacht. Auf dem Heimatmarkt sieht die Lage anders aus: Die Inlandsverkäufe brachen im ersten Halbjahr um 39,57 Prozent ein, im Juni allein um 22,02 Prozent. BYD-Vizechefin Li Ke erklärte laut BBC, das Unternehmen könne auch ohne den US-Markt erfolgreich wachsen – aktuell übersteige die Nachfrage sogar die Produktionskapazitäten. Die chinesischen Inlandsverkäufe sind demnach bereits seit sieben Monaten in Folge rückläufig, während die Verkäufe in Europa im ersten Quartal 2026 um 156 Prozent zulegten.
Für 2026 strebt BYD ein Auslandsverkaufsziel von 1,5 Millionen Fahrzeugen an, das nach eigener Einschätzung übertroffen werden dürfte. Firmenchef Wang Chuanfu bekräftigte auf der Hauptversammlung im Juni das langfristige Ziel, BYD solle bis 2030 zum weltweit größten Automobilhersteller nach Stückzahl aufsteigen. Preislich zeigt sich im Ausland ein deutlich höheres Niveau: Ein BYD Atto 3 kostet in Deutschland umgerechnet mehr als 41.000 US-Dollar, in China dagegen unter 20.000 US-Dollar. EU-Zölle und vereinzelte Qualitätsprobleme bleiben laut Marktbeobachtern die größten Hürden für die weitere Expansion. Bereits 2025 hatte BYD nach eigenen Zahlen mit 2,25 Millionen verkauften batterieelektrischen Fahrzeugen Tesla als weltgrößten Anbieter reiner Elektroautos abgelöst; Tesla kam im selben Jahr auf 1,64 Millionen Einheiten.
Ungarn nimmt Staatshilfen für BYD unter die Lupe
Politischer Wirbel entsteht derzeit in Ungarn. Der frühere ungarische Außenminister Péter Szijjártó ist bei BYD als Leiter für Außenbeziehungen und Geschäftsentwicklung eingestiegen. Szijjártó hatte in seiner früheren Funktion BYDs erstes europäisches Werk in Szeged mit ausgehandelt – eine Investition von vier Milliarden Euro mit einer Anfangskapazität von 200.000 Fahrzeugen pro Jahr, deren Produktionsstart für das vierte Quartal 2026 vorgesehen ist. Zudem war er an der Ansiedlung von BYDs europäischer Zentrale samt Forschungs- und Entwicklungszentrum in Budapest beteiligt, für die Ungarn Staatshilfen von 55 Millionen Euro gewährte.
Die neue ungarische Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar prüft nun sämtliche staatlichen Zusagen und Subventionen für BYD, nachdem Szijjártós Wechsel in die Wirtschaft mögliche Interessenkonflikte aufgeworfen hat. Die Untersuchung erstreckt sich laut Berichten auf Subventionen, Steuervergünstigungen und Genehmigungen rund um das Ungarn-Engagement des Autobauers.
Rückrufaktion in Australien
Parallel dazu sorgt BYD in Australien für Unmut bei Kunden. Der Konzern hatte rund 1.200 Fahrzeuge der Modelle Atto 3, Sealion 8 und Shark 6 als 2026er-Modelljahr verkauft, obwohl die Wagen bereits 2025 gebaut worden waren. Nach einer unabhängigen Überprüfung erhöhte BYD die ursprünglich angebotene Entschädigung von 1.100 australischen Dollar auf 3.500 australische Dollar. Von den betroffenen Kunden nahmen 72 Prozent die Ausgleichszahlung an; alternativ standen eine vollständige Rückerstattung oder ein Fahrzeugtausch zur Wahl. Rund 2.850 weitere Fahrzeuge wurden korrekt als Baujahr 2025 umklassifiziert.
Blick auf den Kurs
An der Börse zeigt sich die BYD-Aktie zuletzt uneinheitlich. Am Dienstag schloss das Papier bei 9,98 Euro, ein Minus von 0,87 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein deutliches Plus von 14,70 Prozent zu Buche, was auf eine kurzfristige Erholung hindeutet. Zum 200-Tage-Durchschnitt liegt der Kurs jedoch weiterhin 6,01 Prozent im Minus, was zeigt, dass der übergeordnete Abwärtstrend noch nicht vollständig überwunden ist. Anleger dürften die Entwicklung in Ungarn und die Fortschritte beim Werk in Szeged in den kommenden Monaten aufmerksam verfolgen, da beide Themen direkten Einfluss auf BYDs Europastrategie haben.
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