BYD hebt seine Auslandsverkaufsprognose deutlich an, während der heimische Automarkt schrumpft. Der weltgrößte Elektroautohersteller rechnet für 2026 nun mit 1,9 bis 2 Millionen im Ausland ausgelieferten Fahrzeugen, zuvor waren es 1,5 Millionen. Für 2027 peilt das Unternehmen mehr als 2,5 Millionen Auslandsverkäufe an.

Der Vorstoß ins Ausland ist mehr als Wachstumsstreben – er ist Überlebensstrategie. Im August brach der chinesische Pkw-Gesamtmarkt um 23,6 Prozent auf 1,541 Millionen Fahrzeuge ein, wie Branchendaten zeigen. Nur reine Batterie-Elektrofahrzeuge legten noch zu, um 0,8 Prozent.

Die Profitabilität der gesamten Branche fiel in den ersten sieben Monaten des Jahres auf 3,6 Prozent, deutlich unter dem sektorüblichen Durchschnitt von 6,5 Prozent. BYD behauptet sich in diesem Umfeld dennoch als Marktführer im NEV-Einzelhandel mit 233.943 verkauften Einheiten im August, vor Geely mit 110.560 und weit vor Tesla, das mit rund 50.000 Fahrzeugen nur den sechsten Platz belegt.

Produktion vor Ort als Zollschutz

Um Handelsbarrieren zu umgehen, baut BYD internationale Fertigungskapazitäten aus. Die Produktion in Indonesien hat begonnen, in Brasilien soll die Kapazität auf bis zu 300.000 Fahrzeuge jährlich steigen. Das Werk in Ungarn will im November oder Dezember mit der Montage starten.

Lokale Produktion in der EU könnte Zölle von 27 Prozent vermeiden, in Brasilien sind es 34 Prozent – nach Unternehmensangaben Einsparungen von umgerechnet knapp 6.000 US-Dollar pro Fahrzeug. Parallel plant BYD den Aufbau von 90.000 Ultraschnellladestationen bis 2028, davon 6.000 im Ausland.

Die Exportzahlen untermauern die Strategie bereits jetzt. Im August legte BYDs Auslandsgeschäft mehr als verdoppelt zu und machte 43 Prozent der Gesamtauslieferungen aus. Auf Landesebene zeigt sich der Trend auch in Australien: Dort übertrafen batterieelektrische Fahrzeuge im August erstmals Verbrenner, und BYD sicherte sich unter den Herstellern Platz zwei hinter Tesla.

Kursreaktion bleibt hinter der operativen Dynamik zurück

Trotz der positiven Exportnachrichten notiert die BYD-Aktie unter Druck. Der Titel schloss zuletzt bei 9,20 Euro, nach einem Rückgang von 2,1 Prozent binnen Tagesfrist.

Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von 9,7 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt die Aktie 14 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro, erreicht Anfang Oktober vergangenen Jahres, beträgt der Abstand 26 Prozent.

Der Kursverlauf spiegelt damit eher die Sorge um den heimischen Preiskampf und die schrumpfende chinesische Marktbasis wider als die internationale Expansionsgeschichte. Ein RSI von 34,9 signalisiert eine überverkaufte Situation, während der Kurs mit 9,20 Euro spürbar unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,39 Euro verharrt.

Anleger müssen die Frage abwägen, ob das Auslandswachstum den Margendruck im Heimatmarkt kompensieren kann – die Antwort dürfte sich erst zeigen, wenn die neuen Werke in Ungarn und Brasilien tatsächlich Volumen liefern.

Zusätzlichen Gegenwind liefert die geopolitische Großwetterlage: Die US-Regierung kritisierte zuletzt Geschäftsbeziehungen westlicher Autobauer mit chinesischen Firmen, während die USA über die G7 auf eine koordinierte Antwort auf Chinas Handelsüberschuss drängen. Für BYD verschärft das den Balanceakt zwischen globaler Expansion und protektionistischem Gegenwind in westlichen Kernmärkten.