Auf der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover weitet BYD den Vorstoß auf den europäischen Markt auf den Schwerlastverkehr aus. Der chinesische Hersteller stellte dort eine vollelektrische Sattelzugmaschine für den Fernverkehr vor. An den Finanzmärkten legte das Papier am heutigen Dienstag um 1,0 Prozent auf 9,13 Euro zu.
Das neue Modell namens ETT 44 ist mit einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie mit einer Kapazität von 651 Kilowattstunden ausgestattet. Nach Unternehmensangaben ermöglicht der Akkumulator eine Reichweite von rund 600 Kilometern, wobei keine spezifischen Testbedingungen genannt wurden.
Über moderne Megawatt-Ladesysteme lässt sich die Batterie in kurzer Zeit für weitere hunderte Kilometer aufladen, während an herkömmlichen Schnellladepunkten längere Ladezeiten anfallen.
Mit dem Modell deckt das Unternehmen nun auch das schwere Segment im europäischen Nutzfahrzeugbereich ab. Bislang konzentrierte sich die Expansion in westlichen Märkten vor allem auf Personenkraftwagen und leichtere Transporter. Der Schritt zielt direkt auf die schrittweise Umstellung industrieller Logistikflotten auf emissionsfreie Antriebe ab.
Rückruf in China und neue Modellentwürfe
Parallel zur Messepräsenz muss der Konzern im Heimatmarkt ein Qualitätsproblem bei älteren Bestandsfahrzeugen bewältigen. Bei der chinesischen Marktregulierungsbehörde State Administration for Market Regulation reichte BYD einen Plan für den Rückruf von 183.211 Fahrzeugen ein.
Betroffen sind frühere Modelljahrgänge der Baureihen Tang und Qin, bei denen ein fehlerhafter Anschlag des Bremslichtschalters von den Vertragswerkstätten kostenlos ausgetauscht wird.
Gleichzeitig treibt das Unternehmen die Auffrischung seiner Pkw-Modellpalette voran. Am heutigen Dienstag veröffentlichte Zhang Zhuo, Leiter des Vertriebsbereichs Ocean, offizielle Designentwürfe der zweiten Generation des kompakten Seagull. Das Modell fällt geräumiger aus als sein Vorgänger und legt bei der Gesamtlänge um 425 Millimeter zu. Für den Vortrieb sorgt künftig ein Elektromotor mit einer Höchstleistung von 95 Kilowatt.
Die Vergrößerung des Einstiegsmodells verdeutlicht das Bestreben, günstige Elektrofahrzeuge mit gewachsenen Abmessungen anzubieten. BYD reagiert damit auf den anhaltend scharfen Verdrängungswettbewerb im chinesischen Heimatmarkt, wo kompakte Stromer eine wichtige Rolle für die Stückzahlen spielen.
Ausbau der Fertigung und europäische Standortsuche
Um das hohe Produktionsvolumen abzusichern, stellt BYD am chinesischen Standort Xi’an mehr als 8.000 neue Mitarbeiter ein, nachdem mehrere Fertigungslinien wieder in den Normalbetrieb übergegangen sind.
Im Ausland wächst das Netzwerk ebenfalls: Im thailändischen Werk Rayong feierte das Management am heutigen Dienstag das 100.000ste fertiggestellte Fahrzeug. Rund 40 Prozent der dortigen Produktion im ersten Halbjahr wurden in über zehn Länder exportiert.
In Europa steht unterdessen die Entscheidung über eine zweite Pkw-Produktionsstätte an. Bis zum Jahresende will der Konzern zwischen Spanien und Frankreich wählen, um neben dem ungarischen Werk in Szeged ein weiteres Fertigungszentrum aufzubauen. Trotz dieser weltweiten Expansionsschritte bleibt die Stimmung der Anleger verhalten: Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 15 Prozent.
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