BYD hat im Juli so viele Fahrzeuge wie in keinem anderen Monat des Jahres zuvor exportiert – und dennoch reagiert die Börse verhalten. Der chinesische Autobauer verkaufte im vergangenen Monat 419.211 Neuenergiefahrzeuge, ein Plus von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Es war bereits der dritte Monat in Folge mit Wachstum auf Jahressicht.

Auslandsgeschäft als Wachstumstreiber

Besonders auffällig fiel die Entwicklung außerhalb Chinas aus. BYD lieferte im Juli 179.841 Fahrzeuge ins Ausland aus, ein Sprung von 124,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit stammte fast jedes zweite verkaufte Fahrzeug – rund 43 Prozent des Monatsabsatzes – aus dem internationalen Geschäft. Für einen Konzern, der lange fast ausschließlich vom heimischen Markt abhing, markiert das eine deutliche Verschiebung der Absatzstruktur.

Auf Jahressicht bleibt der Konzern dennoch im Minus. Von Januar bis Juli lieferte BYD knapp 2,23 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 10,54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Immerhin fällt dieser Wert deutlich moderater aus als der Rückgang von 15,72 Prozent, den der Konzern im ersten Halbjahr verzeichnet hatte. Der starke Juli hat die Talfahrt spürbar gebremst.

Kurs folgt der Absatzdynamik bislang nicht

An der Börse kommt diese Erholung bislang kaum an. Die BYD-Aktie fiel am heutigen Dienstag um 2,51 Prozent auf 9,93 Euro und notiert damit fast 25 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro vom 26. August 2025. Anleger blicken offenbar stärker auf die Margenschwäche der vergangenen Quartale als auf die operative Erholung im Auslandsgeschäft – im ersten Quartal 2026 war der Nettogewinn um 55 Prozent eingebrochen, bei rückläufiger Marge.

Diese Skepsis dürfte auch mit dem harten Wettbewerb im chinesischen Heimatmarkt zusammenhängen, der auf die Preise und damit auf die Profitabilität drückt. Die internationale Expansion soll genau dieses Problem lindern, braucht aber Zeit, um sich in den Konzernzahlen niederzuschlagen.

Neue Modelle sollen Schwung bringen

Parallel zur Absatzoffensive treibt BYD sein Modellprogramm voran. Anfang August öffnete der Konzern die Vorbestellungen für den Denza Z9S, ein Fahrzeug mit drei Ausstattungsvarianten zwischen umgerechnet rund 47.100 und 57.000 US-Dollar.

Das Modell soll nach Unternehmensangaben mit einer Reichweite von bis zu 1.100 Kilometern nach chinesischem CLTC-Zyklus antreten und ist mit der zweiten Generation der Blade-Batterie ausgestattet, die binnen fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent geladen werden kann.

Auch das Dynasty-Flaggschiff Han bekommt Zuwachs: Eine batterieelektrische Version mit bis zu 1.008 Kilometern Reichweite soll auf der Chengdu Auto Show, die am 21. August öffnet, öffentlich vorgestellt werden.

In Japan startete BYD zudem den Kleinwagen Racco zu einem Einstiegspreis von 2,145 Millionen Yen, umgerechnet rund 13.100 US-Dollar – ein Signal für die aggressive internationale Expansionsstrategie des Konzerns, mit der er nach eigenen Ambitionen mittelfristig etablierte japanische Hersteller im heimischen Markt herausfordern will.

Für August hat BYD zudem die erste öffentliche Präsentation eines humanoiden Roboters angekündigt, an dem eine eigene Entwicklungseinheit seit Ende 2024 arbeitet. Details zum Zeitplan blieben zunächst offen.

Ausblick: Quartalszahlen Ende August im Fokus

Die nächste wichtige Wegmarke für Anleger dürfte die Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal 2026 sein, die Ende August erwartet wird. Erst dann wird sich zeigen, ob sich der starke Julimonat auch in einer stabilisierten Marge niederschlägt – oder ob der Preisdruck im chinesischen Markt die Erholung im Auslandsgeschäft weiter überschattet. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen operativen Fortschritten und Sorgen um die Profitabilität schwanken.