BYD nähert sich einem wichtigen Termin: Am 28. August entscheidet der Verwaltungsrat über die Veröffentlichung der Halbjahreszahlen für das erste Halbjahr 2026. Bereits jetzt zeichnet sich ab, worauf Anleger achten müssen – ein deutliches Auseinanderdriften von Exportgeschäft und Heimatmarkt.

Der Aktienkurs zeigte sich zuletzt robust. Am Freitag schloss das Papier bei 10,13 Euro, ein Plus von 2,0 Prozent auf Tagesbasis. Über sieben Handelstage summiert sich der Anstieg auf 3,8 Prozent. Damit bewegt sich die Aktie rund sechs Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, bleibt aber weiterhin gut 23 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro vom 26. August 2025. Auf Jahressicht steht bei BYD weiterhin ein Minus von 5,4 Prozent zu Buche, über zwölf Monate beträgt der Rückgang 18 Prozent.

Export wächst zweistellig, Heimatmarkt schwächelt

Die Zahlen zum operativen Geschäft liefern ein gemischtes Bild. Im Juli verkaufte BYD weltweit 419.211 Fahrzeuge, ein Plus von 21,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und damit der dritte Monat in Folge mit Wachstum.

Treiber war fast ausschließlich das Auslandsgeschäft: Die Exportverkäufe erreichten mit 179.841 Einheiten einen Rekordwert und legten um 124,3 Prozent zum Vorjahr zu. Im Inland dagegen sanken die Verkäufe um rund neun Prozent auf etwa 239.370 Fahrzeuge.

Für das erste Halbjahr insgesamt ergibt sich daraus ein durchwachsenes Bild. BYD verkaufte kumuliert 2.227.722 Neuenergiefahrzeuge, ein Rückgang von 10,54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Auslandsanteil kletterte auf 969.208 Einheiten und damit auf 43,5 Prozent des Gesamtabsatzes – ein Beleg dafür, wie stark sich das Unternehmen inzwischen auf internationale Märkte stützt. Zugleich meldete BYD, dass sich der Produktionsengpass im Zusammenhang mit der Umstellung auf die Blade-Batterie zunehmend entspannt.

Modelloffensive als zweite Baustelle

Parallel zur Absatzentwicklung treibt BYD seine internationale Modelloffensive voran. In Japan sorgte der elektrische Kei-Car Racco für Aufsehen: Nach dem Marktstart Ende Juli gingen innerhalb weniger Wochen mehr als 1.000 Bestellungen ein. Das Fahrzeug ist das erste seiner Klasse, das von einem ausländischen Hersteller konzipiert wurde, und profitiert von einer staatlichen Kaufprämie.

Auf dem heimischen Markt brachte BYD Anfang August die Neuauflage der Seal-06-Limousine mit LiDAR-gestütztem Fahrassistenzsystem „God’s Eye B“ heraus, erhältlich sowohl als reines Elektrofahrzeug als auch als Plug-in-Hybrid. In den Philippinen startete das Unternehmen zudem den kompakten Crossover Atto 2 sowie eine überarbeitete Version der Seal-5-DM-i-Limousine, jeweils mit Einführungspreisen bis Ende August.

Für den Kurs dürfte am Ende jedoch zählen, wie sich Export-Rekorde und Heimatmarkt-Schwäche in der Gewinn- und Verlustrechnung niederschlagen. Die Bank DBS bestätigte Anfang August ihre Kaufempfehlung für BYD – eine Einschätzung, die zum Zeitpunkt der Abgabe rund drei Wochen zurücklag.

Zusätzliche Fantasie liefert der für August angekündigte Auftritt eines humanoiden Roboters in BYDs Erlebniszentren der Marke Di Space, der nach Unternehmensangaben erstmals als physischer Prototyp und nicht nur als Konzeptstudie präsentiert werden soll.

Bis zur Vorlage der Halbjahreszahlen am 28. August bleibt der Markt daher in Wartestellung. Die technische Erholung der vergangenen Wochen zeigt, dass Anleger die Exportstärke positiv werten – ob sie ausreicht, um die Schwäche im Heimatmarkt zu kompensieren, wird sich erst mit den offiziellen Zahlen zeigen.