Neues 52-Wochen-Tief gestern, leichte Erholung heute — bei BYD klaffen operative Stärke und Börsenstimmung gerade weit auseinander. Der chinesische Elektroautobauer präsentiert gleich drei Neuigkeiten auf einmal: eine Ladetechnologie der nächsten Generation, einen milliardenschweren Logistikpakt und ein Flaggschiff-SUV mit Rekordvorbestellungen.

Laden in fünf Minuten

BYD plant den Einsatz seiner zweiten Generation der sogenannten „Megawatt Flash Charging“-Technologie. Den Auftakt macht Malaysia. Das System liefert eine maximale Ladeleistung von 1.500 kW und nutzt eine 1.000-Volt-Architektur mit 1.000 Ampere Stromstärke.

Das Ergebnis laut BYD: kompatible Elektrofahrzeuge laden von zehn auf 70 Prozent in rund fünf Minuten — das entspricht etwa 400 Kilometern Reichweite. Aktuell befindet sich die Technologie noch in der Planungsphase. Erste Installationen sollen in ausgewählten Showrooms und Servicezentren entstehen, bevor BYD die Infrastruktur gemeinsam mit Drittanbietern öffentlich ausbaut.

Globaler Logistikpakt mit CEVA

Am Dienstag unterzeichnete BYD einen dreijährigen Logistik-Rahmenvertrag mit CEVA Logistics aus Marseille. Das Abkommen deckt sechs Kontinente ab und umfasst Routenplanung, Zollabwicklung sowie CO₂-arme Transportlösungen.

CEVA übernimmt dabei die Zulieferlogistik für BYDs wachsendes Werknetz sowie den After-Sales-Service und das Supply-Chain-Management für die Batterie- und Energiespeichersparte. Der Vertrag markiert eine strategische Verschiebung: weg vom reinen Fahrzeugexport, hin zu einem komplexeren internationalen Produktions- und Vertriebsnetz.

Flaggschiff mit 150.000 Vorbestellungen

Parallel dazu startete BYD in China den Verkauf des „Great Tang“ — einem großen SUV mit einem Einstiegspreis von umgerechnet rund 35.500 US-Dollar. Vor dem offiziellen Launch gingen 150.000 Vorbestellungen ein.

Das Topmodell trägt eine 130-kWh-Batterie und kommt nach dem chinesischen CLTC-Zyklus auf bis zu 950 Kilometer Reichweite. Gebaut auf einer 1.000-Volt-Plattform, ist es direkt auf die neue Schnellladetechnologie ausgelegt.

Oversold — aber wie lange noch?

Die guten Nachrichten kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen rund 16 Prozent verloren und notiert mit 8,56 Euro mehr als 42 Prozent unter dem Jahreshoch von 14,80 Euro aus dem Juli 2025. Der RSI liegt bei 23,4 — ein technisch deutlich überkauftes Niveau nach unten.

Einen konkreten Impuls könnte das Goodwood Festival of Speed liefern. BYD plant dort, acht neue Modelle der Marken BYD, Denza und Yangwang zu zeigen. Ob das reicht, um die Stimmung nachhaltig zu drehen, hängt auch davon ab, wie schnell die Megawatt-Ladetechnologie über Malaysia hinaus Fahrt aufnimmt.