BYD nutzt den August für eine ganze Reihe strategischer Vorstöße abseits des Kerngeschäfts. Der chinesische Autobauer will noch in diesem Monat einen humanoiden Roboter präsentieren, wie das Unternehmen bereits am 28. Juli bestätigte.

Erste Hinweise darauf liefert ein Teaser-Bild an einem der sogenannten „Di Space“-Erlebnisstandorte in Zhengzhou, das auf ein Debüt Anfang August hindeutet. Für ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft Elektrofahrzeuge sind, wäre der Schritt in die Robotik eine bemerkenswerte Diversifizierung.

Neue Modelle mit Rekordreichweite

Parallel dazu bereitet BYD gleich zwei Fahrzeugpremieren mit außergewöhnlichen Reichweitenwerten vor. Die batterieelektrische Version der Limousine Da Han aus der Dynasty-Reihe soll auf der Chengdu Auto Show, die am 21. August öffnet, ihr öffentliches Debüt feiern.

Das Modell bringt es auf bis zu 1.008 Kilometer Reichweite. Bei der Marke Denza, die zu BYD gehört, startete bereits Anfang August der Vorverkauf des Z9S mit bis zu 920 Kilometern Reichweite.

Diese Zahlen unterstreichen, wie sehr BYD auf technologische Differenzierung setzt, während der Wettbewerb auf dem chinesischen Heimatmarkt härter wird. Genau dort zeigt sich derzeit die eigentliche Herausforderung des Konzerns: Die Inlandsverkäufe schwächeln, während das Auslandsgeschäft boomt.

Auslandsgeschäft kompensiert schwachen Heimatmarkt

Die Verkaufszahlen für Juli unterstreichen dieses Muster deutlich. BYD setzte im vergangenen Monat 419.211 Neuenergiefahrzeuge ab, ein Plus von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Auslandsverkäufe erreichten mit 179.841 Einheiten einen Rekordwert und machten damit 43 Prozent des Monatsvolumens aus – ein Zuwachs von 124,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Inland dagegen sanken die Verkäufe um rund 9 Prozent auf etwa 239.370 Fahrzeuge.

Damit setzte sich im Juli der positive Trend fort: Bereits den dritten Monat in Folge verzeichnete BYD ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr, nachdem der Juni mit 5,46 Prozent noch moderater ausgefallen war.

Für das erste Halbjahr 2026 summierten sich die kumulierten Verkäufe auf 1,81 Millionen Einheiten, ein Rückgang von 10,54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – wobei sich der Rückgang gegenüber den 15,72 Prozent des Vorquartals bereits deutlich abgeschwächt hat.

Die Auslandsverkäufe trugen im ersten Halbjahr mit 969.208 Einheiten bereits 43,5 Prozent zum Gesamtvolumen bei. Insgesamt hat BYD damit über seine Unternehmensgeschichte mehr als 17,3 Millionen Neuenergiefahrzeuge ausgeliefert.

Um das für 2026 gesteckte Jahresziel von 5 bis 5,5 Millionen Fahrzeugen zu erreichen, müsste BYD in den verbleibenden Monaten im Schnitt rund 530.000 Einheiten monatlich absetzen – deutlich mehr als im bisherigen Jahresverlauf.

Markteintritt in Japan

Auch geografisch expandiert BYD weiter. Ende Juli brachte der Konzern mit dem Racco ein Kleinstwagenmodell in Tokio auf den Markt – der erste Vorstoß eines ausländischen Herstellers in den japanischen Kei-Car-Markt seit Jahren.

Das Einstiegsmodell kostet umgerechnet rund 13.100 US-Dollar und liegt nach Abzug von Subventionen unter zwei Millionen Yen. Das Fahrzeug nutzt die X-Pack-Batteriearchitektur, rund 70 Prozent der Komponenten stammen aus eigener Fertigung.

Blick auf die Aktie

An der Börse zeigte sich die Nachrichtenflut zuletzt kaum in nennenswerten Ausschlägen. Am Freitag schloss die BYD-Aktie bei 9,79 Euro, ein Plus von 0,3 Prozent.

Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 2,5 Prozent zu Buche, und mit einem Abstand von 26 Prozent zum 52-Wochen-Hoch aus dem vergangenen August bleibt der Titel von seinen früheren Höchstständen deutlich entfernt. Die Expansionsstrategie im Ausland und die neuen Modellankündigungen liefern zwar operative Fortschritte, an der Kursentwicklung ändert dies bislang wenig.