Die heimischen Verkäufe schwächeln, die Zölle in Europa steigen. Nun sucht BYD einen neuen Weg nach Nordamerika. Kanadas Industrieministerin Mélanie Joly verhandelt mit chinesischen Autobauern über lokale Produktionspartnerschaften. Für den Konzern bietet sich eine seltene strategische Chance.

Niedrige Zölle gegen lokale Produktion

Kanada hat eine strikte Grenze gezogen. Das Land belegte Elektroautos aus China kürzlich mit einem Strafzoll von 100 Prozent. Die Ausnahme: Eine spezielle Quote erlaubt den Import von bis zu 49.000 Fahrzeugen zu einem Zollsatz von rund sechs Prozent.

Joly traf sich auf ihrer China-Reise mit Vertretern von BYD und weiteren Herstellern. Die Regierung in Ottawa knüpft den Zugang zur Niedrigzoll-Quote an harte Bedingungen. Die Unternehmen müssen Joint Ventures in Kanada gründen. Dabei verlangt der Staat eine kanadische Kontrolle und lokale Lieferketten.

Export als Rettungsanker

Der Vorstoß in Nordamerika kommt zur rechten Zeit. BYD spürt den harten Preiskampf auf dem Heimatmarkt. Im Mai fielen die Verkäufe in China um 24 Prozent. Dieser Abwärtstrend hält nun seit über einem Jahr an.

Den Ausgleich schafft das internationale Geschäft. Die Übersee-Exporte schossen im gleichen Monat um gut 80 Prozent auf über 160.000 Einheiten nach oben. Weltweit verkaufte der Konzern im Mai rund 383.000 Fahrzeuge. Das entspricht einem leichten Plus zum Vorjahr.

Aktie nahe am Jahrestief

Die Börse reagiert bisher skeptisch auf die Kanada-Gespräche. Die BYD-Aktie notiert aktuell bei 8,46 Euro und verlor damit heute 1,65 Prozent. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf knapp 23 Prozent.

Der Kurs kratzt gefährlich nah am 52-Wochen-Tief von 8,37 Euro. Ein Blick auf die Technik zeigt einen stark überverkauften Wert. Der RSI-Indikator steht bei 20,8. Auch die wichtige 50-Tage-Linie verläuft mit 10,48 Euro weit entfernt.

Ein endgültiger Deal mit Kanada steht noch aus. Die aktuellen Gespräche markieren lediglich eine strategische Option. Sobald BYD eine feste Quote erhält oder einen Produktionspartner meldet, könnte das den Kurs stützen. Bis dahin bleibt das schwache China-Geschäft der dominierende Faktor für das Papier.