Im heutigen Handel verliert die Aktie von BYD 2,1 Prozent auf 8,97 Euro. Der chinesische Konzern treibt ungeachtet der jüngsten Kursentwicklung seine langfristigen Wachstumspläne in Übersee mit unverminderter Geschwindigkeit voran.

Die Ausrichtung auf den europäischen Markt gewinnt dabei zunehmend an Kontur. Neben dem schrittweisen Aufbau eigener Fertigungsstandorte setzt das Unternehmen auf ein breiteres Ökosystem, das von Ladeinfrastrukturen bis in das Segment der Nutzfahrzeuge reicht.

In Deutschland zielt der Hersteller nun direkt auf die Senkung der Betriebskosten für seine Kunden ab. Eine Partnerschaft mit dem Energiekonzern E.ON soll im November 2026 starten. Das gemeinsame Angebot für intelligentes Laden kann die monatlichen Ladekosten für vollelektrische Pkw-Modelle der Marke um bis zu 20 Euro reduzieren.

Ausbau der industriellen Basis in Europa

Laut Reuters erklärte ein europäischer Berater des Unternehmens, dass BYD langfristig drei Fahrzeugmontagewerke sowie eine Batteriefabrik in Europa für notwendig hält. Während die Produktion im ersten europäischen Pkw-Werk in Ungarn anläuft, soll die Entscheidung über einen zweiten Fertigungsstandort noch vor dem Jahresende fallen.

Parallel dazu baut der Konzern sein gewerbliches Angebot aus. Auf der Fachmesse IAA Transportation zeigte die Nutzfahrzeugsparte die elektrische Sattelzugmaschine ETT 44 mit bis zu 1.000 PS Leistung und einer Reichweite von 600 Kilometern. Nach Angaben eines leitenden Managers gegenüber Reuters plant das Unternehmen, seinen ersten schweren Lastkraftwagen im Jahr 2027 in Europa einzuführen und diese Fahrzeuge künftig auch lokal zu fertigen.

Mit dem Vorstoß in das gewerbliche Transportwesen erschließt sich der Hersteller eine zusätzliche Einnahmequelle neben dem Pkw-Geschäft. Eine lokale Fertigung von Nutzfahrzeugen verringert zudem die Abhängigkeit von Importen und stärkt die Marktposition im Flottenbetrieb.

Behördlicher Rückruf und Batterietechnik

Am Heimatmarkt muss das Unternehmen zeitgleich ein technisches Problem bewältigen. Chinas Marktregulierungsbehörde gab am Freitag einen sofortigen Rückruf von 183.211 Fahrzeugen der Baureihen Qin und Tang bekannt.

Die betroffenen Modelle stammen aus den Produktionsjahren 2014 bis 2022. Ursache sind Gummipuffer am Bremspedal, die reißen oder sich lösen können, wodurch die Bremsleuchten dauerhaft leuchten könnten. BYD tauscht die Komponenten für die Fahrzeughalter kostenfrei aus.

Auf der Technologieseite arbeitet der Konzern derweil an der nächsten Batteriegeneration. Das Unternehmen teilte mit, dass die Umstellung der Fertigungslinien für die zweite Generation der Blade-Batterie und die Erweiterung der Kapazitäten planmäßig vorankommen. Wegen der starken Nachfrage nach Modellen mit Schnellladefunktion beschleunigt das Management die Bereitstellung neuer Produktionslinien.