BYD hat im zweiten Quartal erstmals seit mehr als zwölf Monaten wieder ein Gewinnwachstum vorgelegt. Der chinesische Elektroautobauer meldete am 28. August einen Nettogewinn von 8,2 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 1,22 Milliarden Dollar – ein Plus von 29,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz sank dagegen um 3,2 Prozent auf 194,6 Milliarden Yuan. Der Gewinn je Aktie übertraf mit 0,14 Dollar die Konsensschätzung von 0,11 Dollar.

Die Kursentwicklung spiegelt diese Erholung bislang kaum wider. Das Papier notiert aktuell bei 8,89 Euro und liegt damit rund 29 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro aus dem Oktober vergangenen Jahres.

Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 17 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sogar von 25 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 33,3 deutet auf eine überverkaufte Situation hin.

Auslandsgeschäft trägt die Ergebnisse

Der Blick auf die Halbjahreszahlen erklärt die Diskrepanz zwischen Gewinnsprung und schwachem Umsatz. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz um 7,13 Prozent auf 344,82 Milliarden Yuan, der Nettogewinn brach sogar um 20,54 Prozent auf 12,33 Milliarden Yuan ein.

Zugleich wuchs der Auslandsumsatz um 34 Prozent auf 181,3 Milliarden Yuan und macht inzwischen 53 Prozent des Gesamtumsatzes aus – vor einem Jahr waren es noch weniger als die Hälfte.

Diese Verschiebung zeigt sich auch in den Absatzzahlen. Von Januar bis August verkaufte BYD kumuliert 2.668.015 Elektro- und Hybridfahrzeuge, ein Rückgang von 6,84 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Während die Inlandsverkäufe um 32,72 Prozent auf 1.505.755 Einheiten einbrachen, kletterten die Auslandsverkäufe um 85,72 Prozent auf 1.162.260 Fahrzeuge und stellen mittlerweile 43,56 Prozent des Gesamtabsatzes. Im August allein legten die Exporte um 134,45 Prozent auf 189.466 Einheiten zu – der vierte Monat in Folge mit Wachstum und der höchste Monatswert des laufenden Jahres.

Neue Modelle und Infrastruktur sollen Wachstum stützen

Am 2. September brachte BYD mit dem Sealion 08 ein neues Flaggschiff-SUV auf den Markt, erhältlich als Plug-in-Hybrid und reines Elektrofahrzeug. Die Vorbestellpreise für die PHEV-Version liegen zwischen 230.000 und 260.000 Yuan, die batterieelektrische Variante kostet 250.000 bis 280.000 Yuan. Das Modell nutzt die zweite Generation der Blade-Batterie, Schnellladetechnik sowie die fünfte Generation des Hybridantriebs DM.

Parallel treibt BYD den Ausbau der Ladeinfrastruktur voran: Bis 2028 sollen 90.000 Schnellladestationen entstehen, davon 20.000 bereits bis Ende dieses Jahres.

Auch außerhalb Chinas expandiert der Konzern – in Großbritannien startete Anfang September die bislang größte Verkaufsaktion der Marke, samt Ausbau des Reparaturnetzes. In Bangladesch unterzeichnete der Zulieferer Runner Automobiles Ende August ein Rahmenabkommen mit BYD über Fahrzeugimporte und technische Lizenzen.

Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob das kräftige Auslandswachstum die Schwäche im Heimatmarkt langfristig kompensieren kann. Die Gewinnwende im zweiten Quartal liefert dafür ein erstes Indiz, während die schwachen Halbjahreszahlen zeigen, dass der Umbau noch nicht abgeschlossen ist.

Frische Analystenaktionen der vergangenen vier Wochen liegen nicht vor, sodass sich die Bewertung des Marktes derzeit vor allem an den operativen Zahlen und der Kursbewegung ablesen lässt.