BYD greift den japanischen Heimatmarkt der etablierten Autobauer an. Anfang August brachte der chinesische Autokonzern mit dem Racco ein vollelektrisches K-Car in Japan auf den Markt und fordert damit Toyota, Honda und Nissan in deren wichtigstem Fahrzeugsegment heraus.

Das Modell startet bei 2,145 Millionen Yen, umgerechnet rund 13.100 Dollar. Nach Abzug einer staatlichen Förderung von 150.000 Yen rutscht die Einstiegsversion unter die Marke von zwei Millionen Yen. Die Reichweite nach WLTC-Norm liegt bei 210 Kilometern.

Der Markterfolg ließ nicht lange auf sich warten: Innerhalb von zwei Wochen nach dem Verkaufsstart am 28. Juli gingen mehr als 1.000 Bestellungen ein.

Auffällig ist die Kundenpräferenz – 80 Prozent der Bestellungen entfielen auf die Top-Ausstattung, 94 Prozent auf die größere Batterievariante. Das deutet darauf hin, dass japanische Käufer trotz des kompakten K-Car-Formats bereit sind, für mehr Reichweite und Ausstattung tiefer in die Tasche zu greifen.

Exportgeschäft treibt die Wachstumsdynamik

Der Japan-Vorstoß fügt sich in ein größeres Bild: Im Juli verkaufte BYD weltweit 419.211 batterieelektrische und Plug-in-Hybridfahrzeuge, ein Plus von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung im Auslandsgeschäft – die Verkäufe von Personenwagen und Pick-ups außerhalb Chinas erreichten mit 179.841 Einheiten einen Rekordwert, ein Anstieg von 124,3 Prozent im Jahresvergleich.

Die Exportoffensive kompensiert eine spürbare Verlangsamung im Heimatmarkt. Nach 1,81 Millionen verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr muss BYD nach Berechnungen von Bloomberg für den Rest des Jahres monatlich rund 530.000 Einheiten absetzen, um zumindest die untere Grenze des selbst gesteckten Jahresziels von 5 bis 5,5 Millionen Fahrzeugen zu erreichen. Das ist ein ambitioniertes Tempo, das deutlich über den Julizahlen liegt.

Humanoide Roboter als neues Standbein

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt eine Ankündigung gegenüber der China Securities Journal Ende Juli: BYD plant, im August im Rahmen seines „Di Space“ einen humanoiden Roboter vorzustellen. Details zu Einsatzzweck oder Serienreife blieben bislang offen, doch die Ankündigung unterstreicht die Diversifizierungsbestrebungen des Konzerns über das klassische Automobilgeschäft hinaus.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse hat die Nachrichtenlage bislang keine deutliche Bewegung ausgelöst. Die BYD-Aktie schloss am Freitag bei 9,79 Euro, ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vortag.

Auf Wochensicht steht dennoch ein Rückgang von 2,5 Prozent zu Buche, und seit Jahresbeginn hat das Papier 8,6 Prozent verloren. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro, notiert im August vergangenen Jahres, fehlen der Aktie aktuell rund 26 Prozent.

Die operativen Fortschritte in Japan und im Exportgeschäft treffen damit auf ein Kursniveau, das von der Euphorie früherer Monate weit entfernt ist. Anleger dürften nun genau beobachten, ob sich der Schwung aus dem Auslandsgeschäft in den kommenden Monaten auch in den Gesamtjahreszahlen niederschlägt.