Zweimal hat BYD versucht, bei Renault einzusteigen. Zweimal ist der chinesische Elektroauto-Riese abgeblitzt. Berichte über diese gescheiterten Annäherungsversuche zeigen, wie ernst es dem Konzern mit seiner Europa-Strategie ist — und wie viel Widerstand er dabei trifft.
Zwei Anläufe, zwei Absagen
BYD soll Renault sowohl 2024 als auch 2025 ein Angebot unterbreitet haben. Der Konzern wollte eine Kapitalbeteiligung erwerben, offenbar auch im Tausch gegen seine Blade-Batterietechnologie. Beide Vorstöße scheiterten, unter anderem am Widerstand der französischen Regierung, die bei Renault über bedeutende Stimmrechte verfügt.
Der Vorstoß passt zum Muster. BYD baut sein Europa-Geschäft konsequent aus, betreibt bereits ein Werk in Ungarn und prüft einen zweiten Standort, möglicherweise in Spanien. Eine Renault-Beteiligung hätte dem Konzern einen direkten Fuß in der Tür des europäischen Massenmarkts verschafft.
Export als Wachstumsmotor
Während die Tür in Frankreich zubleibt, öffnen sich andere Märkte umso weiter. BYD hat sich im zweiten Quartal 2026 wieder an die Spitze der globalen BEV-Verkäufe gesetzt. Zwischen April und Juni lieferte der Konzern 557.090 batterieelektrische Fahrzeuge aus, Tesla kam im selben Zeitraum auf 480.126 Einheiten.
Im Juni allein verkaufte BYD weltweit 403.472 Neuenergiefahrzeuge, ein Plus von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Heimatmarkt schwächelt dabei deutlich: In China brachen die Verkäufe im Juni um 22 Prozent auf 228.123 Fahrzeuge ein. Den Ausgleich schafft der Export.
BYD verschiffte im Juni 175.349 Fahrzeuge ins Ausland, ein Sprung von 94,7 Prozent zum Vorjahresmonat. Auslandsgeschäfte machen mittlerweile 43 Prozent des monatlichen Gesamtabsatzes aus. Für das erste Halbjahr 2026 summieren sich die Exporte auf 769.330 Einheiten — ein Anteil von 34,5 Prozent an allen chinesischen NEV-Exporten.
Die Verschiebung ist bemerkenswert. Vor wenigen Jahren war BYD noch fast reiner Inlandsverkäufer. Jetzt wird das Ausland zum entscheidenden Wachstumshebel, gerade weil die Heimatnachfrage abkühlt.
Meilensteine und neue Deals
Am 8. Juli 2026 lief im Werk Xi’an das 17-millionste Neuenergiefahrzeug vom Band, ein Seal 08. Parallel baut BYD sein Geschäft jenseits reiner Autoproduktion aus. Mit dem Energiekonzern Masdar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnete BYD einen Speichervertrag über 11,275 GWh, der ein Solarprojekt mit 5,2 GW Leistung in Abu Dhabi unterstützen soll.
Bereits am 23. Juni 2026 hatte BYD zudem eine dreijährige Absichtserklärung mit dem Logistikdienstleister CEVA unterschrieben. Ziel ist eine durchgängige Automobil-Logistik für das globale Geschäft.
Kurs unter Druck trotz starker Zahlen
An der Börse zeigen die operativen Erfolge bislang wenig Wirkung. Die BYD-Aktie notiert aktuell bei 9,45 Euro, nach einem Plus von 2,17 Prozent am Donnerstag. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 13,73 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 27,85 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 14,80 Euro aus dem Juli 2025 fehlen noch 36 Prozent. Vom Tief bei 8,03 Euro, erreicht Ende Juni 2026, hat sich der Kurs immerhin um knapp 18 Prozent erholt. Der 14-Tage-RSI liegt bei 53,7 — ein neutraler Wert, der weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale liefert.
BYD zählt neben Xiaomi und Leapmotor zu den wenigen profitablen Elektroauto-Herstellern Chinas. Das wird wichtiger, je näher der Januar 2027 rückt: Dann laufen die chinesischen Steuervergünstigungen für Elektrofahrzeuge schrittweise aus, und die Margen im Heimatmarkt dürften weiter unter Druck geraten. Der Export dürfte damit vom Zusatzgeschäft endgültig zur tragenden Säule werden.
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