Ein Auto rollt vom Band – und schreibt Geschichte. Am 8. Juli hat BYD im Werk Xi’an sein 17-millionstes Elektro- und Hybridfahrzeug produziert. Kein anderer Autobauer der Welt hat diese Marke bei New Energy Vehicles je erreicht.

Das Jubiläumsfahrzeug ist kein Zufallsprodukt. Es ist der Seal 08, die neue Flaggschiff-Limousine aus BYDs Ocean-Serie, erst seit dem 2. Juli auf dem Markt. Die Nachfrage übertrifft offenbar selbst BYDs eigene Erwartungen.

Ein Auto mit 65.000 Vorbestellungen in 30 Stunden

Innerhalb der ersten 30 Stunden nach Marktstart sammelte der Seal 08 rund 65.000 verbindliche Bestellungen ein. Der Preis liegt zwischen 196.900 und 239.900 Yuan, umgerechnet knapp 24.000 bis 29.000 Euro.

Technisch setzt BYD auf die zweite Generation seiner Blade-Batterie und eine neue FLASH-Ladetechnik. Die verspricht eine spürbare Reichweite nach nur fünf Minuten Ladezeit, eine Vollladung soll unter optimalen Bedingungen rund neun Minuten dauern. Die batterieelektrische Version kommt laut CLTC-Norm auf bis zu 905 Kilometer Reichweite. Serienmäßig verbaut ist zudem BYDs Fahrassistenzsystem God’s Eye, das auf Lidar-Sensorik setzt.

Auslandsgeschäft wächst deutlich schneller als der Heimatmarkt

Der Produktionsmeilenstein fällt in eine Phase, in der BYD auch operativ liefert. Im Juni 2026 verkaufte der Konzern 403.472 Fahrzeuge, ein Plus gegenüber 382.585 Einheiten im Vorjahresmonat. In der ersten Jahreshälfte 2026 kamen kumuliert 1.808.511 verkaufte Fahrzeuge zusammen.

Besonders auffällig: Das Auslandsgeschäft wächst deutlich schneller als der Heimatmarkt. Bei Pkw und Pickups im Ausland verkaufte BYD im ersten Halbjahr 789.367 Einheiten – ein Anstieg von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bis Ende 2026 will der Konzern zudem 20.000 FLASH-Ladestationen in ganz China aufbauen, um die neue Schnellladetechnik alltagstauglich zu machen.

Die Börse zeigt sich unbeeindruckt

Trotz Rekordproduktion und Rekordnachfrage bleibt der Aktienkurs weit von seinen alten Höhen entfernt. Am Freitag schloss das Papier bei 9,58 Euro, ein Tagesgewinn von 3,01 Prozent. Auf Wochensicht steht nur ein moderates Plus von 0,47 Prozent zu Buche.

Der Blick auf die längere Frist zeigt das eigentliche Bild: Seit Jahresbeginn hat die Aktie 12,55 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 26,87 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,80 Euro aus dem Juli 2025 trennen den Kurs aktuell 35,27 Prozent. Erst Ende Juni markierte die Aktie bei 8,03 Euro ein neues Jahrestief, von dem sie sich mittlerweile um 19,29 Prozent erholt hat.

Auch die gleitenden Durchschnitte signalisieren keine Trendwende. Der 50-Tage-Schnitt liegt bei 9,76 Euro, der 200-Tage-Schnitt bei 10,70 Euro – der Kurs bewegt sich unterhalb beider Marken. Der RSI von 55,8 deutet auf eine neutrale Marktlage hin, während die annualisierte Volatilität von 41,67 Prozent auf anhaltend nervöses Handelsgeschehen hinweist.

Operative Bestwerte und eine skeptische Börsenbewertung stehen sich bei BYD damit unmittelbar gegenüber. Ob die starke Nachfrage nach dem Seal 08 und das kräftige Auslandswachstum diese Lücke in den kommenden Monaten schließen können, dürfte sich an den Verkaufszahlen der zweiten Jahreshälfte 2026 zeigen.