BYD hat eine ungewöhnlich geschäftige Woche hinter sich. Der chinesische Autobauer debütiert in Südkorea, gewinnt Verleumdungsklagen gegen Influencer — und trotzdem notiert die Aktie knapp über ihrem Jahrestief.

Südkorea-Einstieg mit Hybrid-SUV

Auf der Busan Mobility Show präsentierte BYD am 26. Juni seinen ersten Plug-in-Hybrid für den südkoreanischen Markt: den Sealion 6 DM-i. Vorbestellungen laufen bereits zu einem Preis von 37,5 Millionen Won — umgerechnet rund 24.400 Euro.

Das Ziel ist ambitioniert. BYD will 2026 mehr als 10.000 Einheiten im Land absetzen. Der Sealion 6 DM-i kombiniert einen 1,5-Liter-Turbomotor mit einer 18,3-kWh-LFP-Blade-Batterie. Die rein elektrische Reichweite beträgt 70 Kilometer. Per DC-Schnellladung lässt sich der Akku in 30 Minuten von 30 auf 80 Prozent laden.

Bis Ende 2026 plant BYD drei weitere Modelle für Südkorea. Der Angriff auf die heimischen Platzhirsche läuft also auf mehreren Fronten.

Influencer verlieren vor Gericht

Parallel dazu sicherte sich BYD in China mehrere Gerichtsurteile gegen Influencer, die falsche Behauptungen über Fahrzeugqualität und Batterieperformance verbreitet hatten. Der Account „Tiger Wolf Cars“ wurde zu Schadensersatz von rund 30.900 Dollar verurteilt. Die Accounts „Zhengren Talks Cars“ und „Solid-State Batteries Are Here“ müssen jeweils etwa 14.700 Dollar zahlen.

BYD nutzte Fahrzeugbetriebsdaten als Beweismittel. Der Konzern bietet weiterhin Prämien zwischen 50.000 und 5 Millionen Yuan für Hinweise auf koordinierte Imageschädigungskampagnen.

Seal 08 und Kanada im Blick

Am 2. Juli folgt der nächste Schritt: BYD bringt den Seal 08 auf den Markt. Die Limousine erscheint in einer reinen Elektroversion und als Plug-in-Hybrid. Die EV-Variante basiert auf einer 800-Volt-Plattform mit der zweiten Generation der Blade-Batterie. BYD verspricht mehr als 1.000 Kilometer Reichweite und eine Schnellladung von 400 Kilometern in fünf Minuten.

In Nordamerika arbeitet BYD mit kanadischen Behörden zusammen, um Sicherheits- und Umweltstandards zu erfüllen. Kanada hatte Ende 2024 einen 100-prozentigen Zusatzzoll auf chinesische Elektroautos eingeführt. Als mögliche Wege in den Markt gelten Lokalproduktion oder Joint Ventures mit kanadischer Mehrheitsbeteiligung.

Aktie nahe Jahrestief

Die operative Dynamik trifft auf einen schwachen Kurs. Die BYD-Aktie schloss den Freitag bei 8,29 Euro — ein Minus von rund 3 Prozent am Tag und fast 25 Prozent seit Jahresbeginn. Mit einem RSI von 20,6 gilt das Papier als technisch überverkauft und liegt nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 8,08 Euro.

Ob der Seal-08-Launch am 2. Juli und der Südkorea-Einstieg als Impulsgeber reichen, um die Aktie zurück in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts bei 10,27 Euro zu bewegen, wird sich in den kommenden Handelstagen zeigen.