Peking hat Konsequenzen angedroht. Nachdem das US-Verteidigungsministerium BYD am 9. Juni auf seine sogenannte 1260H-Liste gesetzt hat, reagierte Chinas Handelsministerium am Wochenende mit der Ankündigung „starker Gegenmaßnahmen“. Der Konflikt trifft einen Konzern, der gerade auf dem Höhepunkt seiner globalen Ambitionen steht.
Blacklist und Gegenwehr
Die Pentagon-Liste identifiziert Unternehmen, die angeblich mit dem chinesischen Militär verbunden sind. Neben BYD trifft sie auch Alibaba und NIO. Ab 2027 dürfen US-Behörden keine direkten Verträge mehr mit den gelisteten Firmen abschließen.
Peking nennt das einen Missbrauch nationaler Sicherheitsargumente. BYDs nordamerikanische Führung will sich mit „rechtlichen Mitteln“ wehren und bestreitet jede militärisch-zivile Verflechtung. Wie weit diese Gegenwehr trägt, bleibt offen — die Listung selbst ist zunächst Fakt.
Wachstumsziele unverändert
Trotz des Gegenwinds aus Washington hält BYD-Chef Wang Chuanfu an seiner Expansionsstrategie fest. Auf der Hauptversammlung in Shenzhen erklärte er, BYD wolle innerhalb von fünf Jahren zum weltweit größten Autobauer nach Stückzahl aufsteigen.
Für 2026 peilt der Konzern 1,5 Millionen Fahrzeugverkäufe in internationalen Märkten an. Das wäre ein deutlicher Sprung gegenüber 2025, als BYD rund 4,6 Millionen Fahrzeuge insgesamt absetzte und Platz sechs unter den größten Autoherstellern belegte. In Europa plant das Unternehmen bis Ende 2027 ein Schnellladenetz mit 3.000 „Flash Charge“-Punkten aufzubauen.
Neues Flaggschiff als Kurstreiber?
Am Mittwoch, dem 17. Juni, steht in Xi’an die offizielle Markteinführung des Tang EV an. Das Flaggschiff-SUV im D-Segment hat laut Unternehmensangaben innerhalb von 14 Tagen nach der ersten Präsentation über 100.000 Vorbestellungen gesammelt.
Technisch setzt der Tang EV auf die zweite Generation der Blade-Batterie und eine 1.000-Volt-Architektur. Das Laden mit 10C-Technologie soll in fünf Minuten nennenswert Reichweite bringen. Die Varianten kommen auf 800 bis 950 Kilometer nach dem chinesischen CLTC-Standard. Der Vorverkaufspreis liegt zwischen 250.000 und 320.000 Renminbi.
Kurs nahe Jahrestief
An der Börse hinterlässt die Pentagon-Entscheidung deutliche Spuren. BYD schloss am Freitag bei 9,49 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 9,25 Euro, das erst am 11. Juni markiert wurde. Auf Sieben-Tages-Sicht verlor die Aktie 3,51 Prozent, auf Jahressicht sogar rund 37 Prozent. Der RSI liegt bei 33,7 und signalisiert damit überverkaufte Bedingungen. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 10,85 Euro wirkt als nächste Widerstandszone — mehr als zwölf Prozent über dem aktuellen Kurs.
Die Markteinführung des Tang EV am Mittwoch könnte kurzfristig für Aufmerksamkeit sorgen. Ob das reicht, um den Abwärtstrend zu brechen, hängt auch davon ab, wie Peking und Washington den Handelsstreit in den kommenden Wochen eskalieren oder entschärfen.
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