BYD setzt trotz der jüngsten Enttäuschung bei den Quartalszahlen auf eine breite Produktoffensive. Auf der Chengdu Auto Show präsentierte der chinesische Autobauer am vergangenen Freitag die dritte Generation des Tang SUV sowie den neuen Da Han EV – zwei Modelle, die den technologischen Anspruch des Konzerns unterstreichen sollen, während das Unternehmen operativ mit Margendruck kämpft.

Der neue Tang soll im vierten Quartal 2026 auf den Markt kommen und nach chinesischem CLTC-Zyklus eine Reichweite von bis zu 850 Kilometern erreichen.

An Bord sind BYDs zweite Generation der Blade-Battery sowie das Fahrassistenzsystem God’s Eye B. Parallel dazu öffnete BYD die Vorbestellungen für den Da Han EV, eine Flaggschiff-Limousine mit Fünf-Minuten-Schnellladefunktion und einer CLTC-Reichweite von über 1.000 Kilometern. Zur Preisgestaltung beider Modelle machte BYD bislang keine Angaben.

Premium-Marke Denza zieht nach

Auch die Premium-Tochter Denza bleibt nicht untätig. Sie stellte das überarbeitete Interieur und Cockpit des Denza N8 vor, inklusive eines 1,1 Meter breiten PHUD-Skyline-Displays und eines 30-Zoll-Mega-Screens.

Drei rein elektrische Varianten sind bereits bei der chinesischen Zulassungsbehörde MIIT registriert. Die Modelloffensive zeigt, dass BYD trotz schwacher Heimatnachfrage weiter in Technologie und Produktbreite investiert, um sich im hart umkämpften chinesischen Markt zu behaupten.

Konzernchef Wang Chuanfu hatte den Wettbewerb im chinesischen Automarkt Anfang des Jahres als „brutale K.o.-Phase“ bezeichnet – eine Einschätzung, die angesichts der aktuellen Zahlen weiter Bestand zu haben scheint. Der Preiskampf im Inland belastet die Margen, während Exporte zunehmend zum Wachstumstreiber werden.

Aktie unter Druck

Die Ankündigungen aus Chengdu konnten den Kurs bislang nicht stützen. Die BYD-Aktie notiert am heutigen Montag bei 9,65 Euro und verliert damit 2,7 Prozent.

Belastet wird das Papier weiterhin von der Enttäuschung über die jüngsten Quartalszahlen, die zeigten, dass der Gewinnsprung von 30 Prozent deutlich hinter den durchschnittlich erwarteten 48 Prozent zurückblieb, die Analysten von Morgan Stanley, UBS, Citi, Deutsche Bank und CMBI vor der Veröffentlichung in Aussicht gestellt hatten.

Die Kombination aus schwacher Heimatnachfrage, anhaltendem Preisdruck und einer im Vergleich zu den Erwartungen zu schwachen Erholung wiegt für Investoren derzeit schwerer als die technologischen Fortschritte bei neuen Modellen und der Ladeinfrastruktur.

Ob die neuen Modelle wie Tang, Da Han und Denza N8 im vierten Quartal für neuen Schwung sorgen können, hängt maßgeblich davon ab, wie BYD die Balance zwischen Preiskampf im Inland und margenstärkerem Auslandsgeschäft künftig gestaltet. Bis dahin dürfte die Aktie im Spannungsfeld zwischen Innovationsversprechen und operativer Realität gefangen bleiben.