BYD stoppt sein milliardenschweres Werksprojekt in der Türkei. Stattdessen setzt der chinesische Elektroautobauer jetzt auf Ungarn und Pakistan. Der Umbau der internationalen Produktionslandkarte kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Die Verkaufszahlen laufen glänzend, die Aktie aber schwächelt.

Der Türkei-Rückzug

BYD legt sein geplantes Werk in der türkischen Provinz Manisa auf Eis. Das Projekt sollte jährlich 150.000 Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge produzieren und war mit einer Investition von einer Milliarde Dollar verbunden. Seit der ursprünglichen Vereinbarung im Jahr 2024 gab es keine nennenswerten Fortschritte.

Berichten zufolge scheiterten die Gespräche an zwei Punkten. Zum einen ging es um den Technologietransfer. Zum anderen strich die türkische Regierung zuvor zugesagte Zollvorteile.

Die Folgen könnten teuer werden. Industrieminister Mehmet Fatih Kacir kündigte an, im Fall einer offiziellen Projektabsage rückwirkend Zölle einzufordern. BYD hatte im Rahmen der Investitionsvereinbarung eine Befreiung von einem türkischen Zusatzzoll in Höhe von 40 Prozent auf chinesische Fahrzeuge erhalten. Türkische Behörden bereiten nun rechtliche Schritte vor, um Investitionsanreize zurückzufordern.

Ungarn und Pakistan rücken nach vorn

BYD-Managerin Stella Li bestätigte die neue Prioritätensetzung. Das Werk im ungarischen Szeged wird zum wichtigsten Zugang des Konzerns zum EU-Markt. Die Fahrzeugmontage soll dort im vierten Quartal 2026 starten.

Der Hintergrund ist simpel: Wer innerhalb der EU produziert, umgeht die Strafzölle auf chinesische E-Autos. Ein Werk vor Ort schlägt in diesem Fall die günstigste Kalkulation.

Parallel dazu nähert sich BYD der Fertigstellung seiner ersten lokalen Montagefabrik in Pakistan. Das Werk in Gharo, Provinz Sindh, entsteht gemeinsam mit Mega Motor Company, einer Tochter von Hubco, und kostet 150 Millionen Dollar. Die Anlagen befinden sich in der finalen Installationsphase. Die ersten dort gefertigten BYD-Fahrzeuge sollen bis Ende August 2026 den pakistanischen Markt erreichen. Der Konzern peilt damit einen Marktanteil von 30 bis 35 Prozent im pakistanischen Sektor für New Energy Vehicles an.

Starke Verkäufe, schwacher Kurs

Der Fabrik-Umbau fällt in eine Phase kräftigen Wachstums. Im Juli 2026 verkaufte BYD weltweit 419.211 Fahrzeuge — ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Exportmärkte trugen mit 179.841 ausgelieferten Einheiten wesentlich zu diesem Zuwachs bei.

An der Börse zeigt sich davon bislang wenig. Die Aktie schloss am Dienstag bei 10,27 Euro, ein Minus von 1,72 Prozent zum Vortag. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro aus dem August 2025 fehlen der Aktie noch 22,43 Prozent. Auf Jahressicht steht ein Rückgang von 16,2 Prozent zu Buche.

Kein Wunder, dass Anleger die widersprüchlichen Signale unterschiedlich gewichten. Auf der einen Seite: zweistelliges Absatzwachstum und ein strategischer Fußabdruck, der sich klar in Richtung EU und Südasien verschiebt. Auf der anderen Seite: eine Aktie, die trotz operativer Stärke unter ihrem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt von 10,54 Euro notiert.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich der Strategiewechsel in konkreten Zahlen niederschlägt. Mit dem Produktionsstart in Szeged im vierten Quartal 2026 und den ersten Pakistan-Auslieferungen bereits Ende August 2026 stehen zwei greifbare Meilensteine bevor, an denen sich der neue Kurs messen lassen muss.