Ungarns Regierung hat eine Untersuchung gegen den chinesischen Autobauer BYD eingeleitet. Auslöser ist der Wechsel des früheren Außenministers Péter Szijjártó in eine Führungsposition bei dem Konzern. Ministerpräsident Péter Magyar kündigte an, Subventionen, Steuervergünstigungen und staatliche Unterstützung zu überprüfen, die BYD unter der Vorgängerregierung von Viktor Orbán erhalten hatte. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die engen Verflechtungen zwischen ungarischer Industriepolitik und dem chinesischen Elektroauto-Hersteller, der in Europa massiv expandiert.
Verdacht der Vorteilsnahme
Szijjártó war zwölf Jahre lang Außenminister Ungarns und half in dieser Funktion maßgeblich dabei, BYDs erstes europäisches Werk 2023 nach Ungarn zu holen. 2025 kündigte BYD zudem eine Europazentrale in Budapest an, unterstützt mit staatlicher Hilfe von 20 Milliarden Forint, umgerechnet rund 63,7 Millionen US-Dollar. Nach seinem Wechsel zu BYD wird Szijjártó vorgeworfen, „hunderte Milliarden Forint“ an öffentlichen Geldern für den Konzern mobilisiert zu haben. Die angekündigte Prüfung erstreckt sich auf Subventionen, Steuererleichterungen, Genehmigungen und Umweltauflagen, die während seiner Amtszeit gewährt wurden.
Russland-Verbindungen erhöhen den Druck
Verschärft wird der Fall durch Szijjártós enge Kontakte nach Russland. Berichten der Nachrichtenagentur AP zufolge reiste er wiederholt nach Moskau, um Öl- und Gasgeschäfte einzufädeln, und geriet wegen Telefonaten mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow während EU-Treffen in die Kritik. Die Kombination aus mutmaßlicher Vorteilsnahme bei der BYD-Ansiedlung und den Russland-Kontakten macht die Affäre zu einem politisch heiklen Thema in Budapest, das auch international Beachtung findet.
Rekordfahrt und Expansion trotz Gegenwind
Operativ zeigt sich BYD von der politischen Debatte unbeeindruckt. Der Yangwang U9 Track Edition stellte auf der Teststrecke in Papenburg mit 293,54 Meilen pro Stunde, umgerechnet 472,4 Kilometer pro Stunde, einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Elektrofahrzeuge auf. Fahrer Marc Basseng steuerte den mit vier Elektromotoren und rund 3.000 PS ausgestatteten Wagen auf einer 1200-Volt-Plattform und ließ damit den Rimac Nevera R mit 268 Meilen pro Stunde sowie den Aspark Owl mit 272 Meilen pro Stunde hinter sich.
Auch international wächst BYD weiter. Im Werk Camacari in Brasilien lief Mitte Juli das 100.000. Elektrofahrzeug vom Band, produziert von 5.500 Beschäftigten bei einer Investition von 5,5 Milliarden brasilianischen Real. Die erste Ausbaustufe erreicht eine Kapazität von 150.000 Fahrzeugen, langfristig sind 600.000 Einheiten pro Jahr geplant. Zusätzlich liegen Bestellungen über je 50.000 Fahrzeuge aus Argentinien und Mexiko vor. In Brasilien war BYD zwischen Januar und Mai 2026 mit 186.921 Exportfahrzeugen der mit Abstand größte Absatzmarkt außerhalb Chinas, vor Australien und Großbritannien. In Mexiko brachte der Konzern zudem den Seal 05 DM-i unter dem Namen BYD King auf den Markt, mit einer kombinierten Reichweite von bis zu 1.680 Kilometern nach NEDC-Norm.
Preiskampf und Kursbild
Der Rückenwind aus dem Ausland trifft auf einen schwierigen Heimatmarkt. Der chinesische Verband CPCA rechnet für 2026 mit einem Rückgang der Einzelhandelsverkäufe um 14 Prozent auf 20,4 Millionen Fahrzeuge, nach 23,7 Millionen im Vorjahr. Im ersten Halbjahr sanken die Verkäufe bereits um 20,2 Prozent auf 8,7 Millionen Einheiten, während die Bruttomarge der Branche auf 3,4 Prozent fiel. Analysten gehen davon aus, dass BYD zusammen mit Geely, Leapmotor, Volkswagen und Toyota zu den Herstellern zählt, die den Verdrängungswettbewerb überstehen. Verschärfend kommt eine ab 1. September 2026 greifende Verbrauchsteuer auf Lithiumbatterien hinzu, die zunächst 2 Prozent beträgt und 2027 auf 4 Prozent steigt, während Natrium-Ionen- und Feststoffbatterien bis Ende 2028 befreit bleiben. BYD hatte 2025 einen Umsatz von 803,96 Milliarden Yuan bei einem um 18,97 Prozent gesunkenen Nettogewinn von 32,62 Milliarden Yuan erzielt, was einem Gewinn je verkauftem Fahrzeug von rund 6.800 bis 8.400 Yuan entspricht.
An der Börse zeigt sich die Aktie von der ungarischen Untersuchung bislang unbeeindruckt. Der Kurs notiert aktuell bei 10,06 Euro und liegt binnen sieben Handelstagen um 5,09 Prozent im Plus. Zum 52-Wochen-Hoch vom 22. Juli 2025 bleibt jedoch weiterhin ein deutlicher Abstand von 32,01 Prozent, ein Zeichen dafür, dass die Erholung der vergangenen Wochen den Kursverlust des vergangenen Jahres noch nicht annähernd wettgemacht hat.
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