BYD-Gründer Wang Chuanfu hat auf der Jahreshauptversammlung ein ambitioniertes Ziel ausgegeben: Innerhalb von fünf Jahren soll der chinesische Autobauer Toyota überholen und zur weltweit größten Automarke nach Absatzvolumen aufsteigen.

Dafür müsste BYD seine aktuellen Jahresauslieferungen von rund 4,8 Millionen Fahrzeugen mehr als verdoppeln – eine Ansage, die angesichts der jüngsten Modelloffensive und der internationalen Expansion nicht aus der Luft gegriffen wirkt.

Produktoffensive auf mehreren Ebenen

Allein in den vergangenen Tagen hat BYD gleich mehrere neue Fahrzeuge vorgestellt. Bei der chinesischen Industrie- und Informationstechnologiebehörde MIIT meldete das Unternehmen heute den Fangchengbao Ti9 an, ein großes Plug-in-Hybrid-SUV mit drei Sitzreihen, ausgestattet mit einem 1,5-Liter-Turbomotor und zwei Elektromotoren mit jeweils 200 kW Leistung.

Ebenfalls heute kündigte BYD den Marktstart der Qin Max an, dem neuen Flaggschiff der Qin-Baureihe im B-Segment, der morgen erfolgen soll. Gestern erst hatte der Konzern den 2027 Seal 06 in China lanciert, der mit 630 Kilometern Reichweite und der zweiten Generation der Blade-Battery-Technologie ausgestattet ist.

Auch außerhalb Chinas läuft das Geschäft an: Der elektrische Kei-Car Racco erhielt in Japan innerhalb von zwei Wochen nach dem Verkaufsstart Ende Juli über 1.000 Bestellungen, vier von fünf Kunden entschieden sich dabei für die Premiumausstattung.

Export als Wachstumstreiber

Die Zahlen für Juli unterstreichen, wie stark BYD inzwischen auf das Auslandsgeschäft setzt. Der Konzern verkaufte im Juli 419.211 New-Energy-Fahrzeuge, ein Plus von 21,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und bereits der dritte Wachstumsmonat in Folge.

Die Exporte erreichten mit 179.841 Einheiten einen Rekordwert, ein Anstieg von 124,3 Prozent im Jahresvergleich – damit macht das Auslandsgeschäft mittlerweile rund 43 Prozent des monatlichen Gesamtvolumens aus. Auf Jahressicht liegt der Absatz mit 2.227.722 Fahrzeugen dennoch weiterhin unter dem Vorjahreswert.

Um den Exportboom logistisch zu stützen, entsteht in China derzeit ein neuer Tiefwasserhafen. Das mit 3,3 Milliarden Yuan bewertete Projekt am Shanwei New Port befindet sich in der finalen Bauphase und soll künftig als zentraler Exportkanal für BYDs Fertigungsstandort im Honghai Bay Green Manufacturing Industrial Park dienen.

Auch in Europa baut BYD seine Präsenz aus: Ab dem vierten Quartal 2026 will der Konzern im ungarischen Szeged erstmals Fahrzeuge auf europäischem Boden montieren. Expansionspläne in der Türkei wurden zugunsten des ungarischen Standorts zurückgestellt.

Unterdessen sicherte sich Ford den ehemaligen Europachef von BYD, um im europäischen Elektroautomarkt wieder Boden gutzumachen – ein Signal dafür, wie stark der chinesische Konzern die Konkurrenz inzwischen unter Druck setzt.

Batterietechnologie als langfristiger Hebel

Neben der Modelloffensive treibt BYD auch die Batterieentwicklung voran. Anfang August meldete der Konzern sechs neue Patente für eine Dual-Elektrolyt-Kathodenarchitektur für Feststoffbatterien an. Ziel ist eine Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm, die Kleinserienproduktion soll 2027 beginnen.

Kursverlauf spiegelt gemischte Stimmung

An der Börse zeigt sich das Bild derzeit verhalten: Die BYD-Aktie notiert bei 9,88 Euro und büßte gegenüber dem Vortagesschluss von 9,93 Euro leicht ein. Auf Jahressicht liegt das Papier mit -7,70 Prozent im Minus, vom 52-Wochen-Hoch bei 13,23 Euro aus Ende August vergangenen Jahres trennen die Aktie mittlerweile mehr als ein Viertel.

Anleger dürften nun gespannt auf den Quartalsbericht am 29. August blicken, für den Analysten im Konsens einen Gewinn je Aktie von 0,10 US-Dollar erwarten – ein Wert, der zeigen dürfte, ob die aktuelle Produkt- und Exportoffensive bereits Früchte trägt.