BYD zerlegt seine Forschungsstruktur. Konzernchef Wang Chuanfu bricht das zentrale Automotive Engineering Research Institute auf — und schafft fünf eigenständige Institute, je eines für die Sub-Marken Dynasty, Ocean, Denza, Fang Cheng Bao und Yangwang. Der Umbau kommt zu einem Moment, in dem die Aktie kaum Spielraum nach unten hat.
Dezentralisierung mit Kostendruck
Das Kernprinzip der Reform: Marken werden zu eigenständigen Gewinn- und Verlustcentern. Ausgenommen ist nur die Ultra-Luxusmarke Yangwang. Alle anderen Sub-Marken zahlen künftig interne Gebühren für die Nutzung von Konzernressourcen.
Die zentrale Einheit behält die Kontrolle über Schlüsseltechnologien — Blade-Batterie und E-Plattformen bleiben in Konzernhand. Die neuen Markeninstitute gewinnen dagegen Autonomie bei Produktdefinition und Fahrzeugplanung. Das Ziel: schlankere Kostenstrukturen und weniger Kannibalisierung zwischen den Modellreihen.
Schwache Verkaufszahlen, neue Modelle
Der Umbau fällt in ein schwieriges Jahr. Von Januar bis Mai 2026 verkaufte BYD rund 1,4 Millionen Fahrzeuge — ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Mai zeigte mit 383.500 Einheiten eine leichte Erholung, blieb aber kaum über dem Vorjahresniveau.
Als Antwort auf den Preisdruck im Heimatmarkt bringt BYD den Great Tang auf den Markt. Das vollelektrische Flaggschiff-SUV nutzt eine 1.000-Volt-Architektur und BYDs zweite Generation der Blade-Batterie. Unter optimalen Bedingungen soll es in neun Minuten von zehn auf 97 Prozent laden.
International baut BYD parallel die Infrastruktur aus. In Kanada entsteht ein Lade- und Vertriebsnetz — begünstigt durch einen Zollsatz von 6,1 Prozent, deutlich niedriger als in den USA. Das Werk im brasilianischen Camaçari hat bislang rund 5,5 Milliarden Brasilianische Real verschlungen. Bis Anfang 2027 soll die lokale Wertschöpfung 50 Prozent erreichen. In Ungarn plant BYD den Start der Fahrzeugmontage in Szeged für das vierte Quartal 2026.
Aktie nahe Jahrestief
Die Kursentwicklung spiegelt die Unsicherheit. Mit 8,90 Euro notiert die Aktie nur 0,85 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 8,82 Euro. Seit Jahresbeginn hat sie knapp 19 Prozent verloren, auf Sicht von zwölf Monaten sogar 35 Prozent. Der RSI liegt bei 25,6 — ein Niveau, das technisch als überverkauft gilt.
UBS sieht das anders. Die Bank hat ihr Kursziel auf 135 Hongkong-Dollar angehoben und hält an der Kaufempfehlung fest. Als Treiber nennen die Analysten die steigende Auslandsnachfrage sowie BYDs kommende 4-Nanometer-Chips für autonomes Fahren und die Robotik-Strategie — beides noch nicht im Kurs eingepreist, so die Einschätzung. Ob der Markt dieser Lesart folgt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die Restrukturierung greift und die Verkaufszahlen drehen.
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