BYD verliert am Donnerstag 2,85 Prozent und fällt auf 9,27 Euro. Der Kurs spiegelt einen Konflikt zwischen zwei Nachrichten wider: Der chinesische Autobauer feiert einen Europa-Erfolg mit einem neuen Modell. Zeitgleich bricht ein milliardenschweres Fabrikprojekt im Nahen Osten weg.

Türkei-Werk vor dem Aus

Türkische Ministeriumsvertreter bestätigten am 8. und 9. Juli, dass die geplante Milliarden-Fabrik in der Türkei auf Eis liegt. Die Investitionsvereinbarung ist ins Stocken geraten. Als Folge ziehen die Behörden bereits zugesagte Steuerbefreiungen und Förderungen zurück.

Es kommt noch schärfer: Die Türkei droht damit, bereits ausgezahlte Vergünstigungen zurückzufordern, sollte das Werk nicht doch noch entstehen. BYD-Managerin Stella Li reagierte prompt. Sie bestätigte, dass der Konzern nun voll auf den Produktionsstandort im ungarischen Szeged setzt, wo im vierten Quartal 2026 die Fertigung starten soll.

Parallel dazu sucht BYD einen zweiten Montagestandort in Europa. Spanien und Frankreich stehen auf der Liste, im Gespräch ist ein sogenanntes Brownfield-Investment — die Übernahme einer bestehenden Autofabrik statt eines Neubaus.

Shark-Pickup startet in Großbritannien

Während das Türkei-Projekt wackelt, expandiert BYD anderswo erfolgreich. Am 8. Juli brachte der Konzern seinen ersten Plug-in-Hybrid-Pickup, den BYD Shark, offiziell nach Europa. Das 436-PS-Modell startet in Großbritannien zu einem Preis von 47.290 britischen Pfund.

Der Marktstart passt zu einem größeren Trend. Die Auslandsverkäufe von Pkw und Pickups erreichten im ersten Halbjahr 2026 rund 789.000 Einheiten — ein Plus von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Konzernverkäufe insgesamt lagen im gleichen Zeitraum bei über 1,8 Millionen Fahrzeugen.

Der Fokus verschiebt sich zunehmend auf margenstarke Exportmärkte. Grund dafür ist der schärfer werdende Wettbewerb im chinesischen Heimatmarkt.

Charttechnik zeigt Erholung im Abwärtstrend

Der aktuelle Kurs von 9,27 Euro liegt 13,46 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,71 Euro. Auf Jahressicht steht ein Minus von 30,50 Prozent zu Buche, das 52-Wochen-Hoch von 14,80 Euro aus dem Juli 2025 ist inzwischen 37,38 Prozent entfernt.

Kurzfristig zeigt sich allerdings eine Gegenbewegung. Die Aktie legte in den vergangenen sieben Tagen um 3,88 Prozent zu und hat sich damit 15,40 Prozent von ihrem 52-Wochen-Tief bei 8,03 Euro Ende Juni erholt. Der RSI von 50,3 signalisiert eine neutrale Momentum-Phase — weder überkauft noch überverkauft.

Ungarn wird zum Prüfstein

Die Strategie des Konzerns hängt jetzt stark an einem Termin: der geplanten Inbetriebnahme des Werks in Szeged bis Jahresende 2026. Marktbeobachter werten diesen Meilenstein als entscheidend dafür, ob BYD potenzielle EU-Zölle durch lokale Produktion abfedern kann.

Zusätzlich baut der Konzern sein Ladenetz aus. Bis Ende 2026 sollen in China 20.000 Schnellladestationen für die neuen Hochvolt-Fahrzeugplattformen entstehen. Ob der Ungarn-Start wie geplant im vierten Quartal gelingt, dürfte für die Aktie in den kommenden Monaten den Ausschlag geben.