Während BYD seine internationale Expansion mit ambitionierten Vorgaben vorantreibt, fordern technische Überprüfungen im Heimatmarkt das Servicenetz. Am Freitag ordnete Chinas staatliche Marktregulierungsbehörde den Rückruf von 183.211 Fahrzeugen der Baureihen Qin und Tang an.

Betroffen sind Modelle aus den Produktionsjahren 2014 bis 2022. Bei den betroffenen Einheiten können Anschlagpuffer am Bremspedal reißen oder sich lösen.

Laut Reuters übernimmt der Automobilhersteller den Austausch der Bauteile über autorisierte Händler für Kunden kostenfrei. An den Handelsplätzen zeigte sich das Papier davon unbeeindruckt: Die Aktie verzeichnete heute ein leichtes Plus von 0,2 Prozent auf 9,05 Euro.

Werkssuche und Fertigungspläne in Europa

Die europäischen Vorhaben bilden das organisatorische Gegengewicht zu den Belastungen im Heimatmarkt. BYD zielt darauf ab, eine bestehende europäische Fabrik zu erwerben, anstatt Produktionskapazitäten mit Partnern zu teilen, wie am vergangenen Freitag bekannt wurde.

Nach Angaben von Europaberater Alfredo Altavilla gelten Spanien und Frankreich als führende Kandidaten für einen Werkskauf, während Italien als Ausweichoption dient. Die Pläne reagieren auf mögliche Vorgaben der Europäischen Union zur lokalen Wertschöpfung.

Altavilla legte dar, dass das Unternehmen perspektivisch drei Montagewerke sowie eine Batteriefabrik in Europa benötige. Nach dem Beginn der Fertigung im ersten europäischen Werk in Ungarn soll eine Entscheidung über einen zweiten Standort noch vor dem Jahresende fallen, möglicherweise über die Übernahme und Modernisierung einer bereits bestehenden Anlage.

Flankiert werden diese Pläne im Nutzfahrzeugbereich: Wie am vergangenen Freitag bekannt wurde, plant der Konzern laut Executive Vice President Stella Li, seinen ersten schweren Lastkraftwagen 2027 in Europa einzuführen und die dort verkauften Lkw schließlich auch auf dem Kontinent zu produzieren.

Hohe Zielmarken für das Auslandsgeschäft

Hinter den europäischen Investitionsvorhaben stehen konkrete Absatzerwartungen für die internationalen Märkte. Die Deutsche Bank berichtete am 8. September, die Unternehmensführung peile für 2026 Auslieferungen im Ausland von 1,9 Millionen bis 2,0 Millionen Fahrzeugen an. Für das Jahr 2027 stellten zwei Brokerhäuser nach Gesprächen mit dem Management ein Übersee-Volumen von mehr als 2,5 Millionen Einheiten in Aussicht.

Gleichwohl spiegelt der Kursverlauf die anspruchsvollen Bedingungen wider, unter denen der Ausbau der Vertriebs- und Servicestrukturen stattfindet. Seit Jahresanfang steht bei dem Titel ein Minus von 15 Prozent zu Buche. Die kommenden Quartale dürften darüber entscheiden, wie reibungslos das Zusammenspiel aus Standortauswahl in Europa und der Bewältigung von Serviceaktionen im Heimatmarkt gelingt.