Liebe Börsenfreundinnen und Börsenfreunde,
die Autonachricht, die heute zählt, kommt aus China. BYD hat seine Exporte im Oktober verdoppelt, und die Aktie zieht an. Für deutsche Depots ist das wichtiger als der DAX.
Dazu kommen Rüstungswerte mit vollen Büchern und hakender Abwicklung, eine Commerzbank vor dem Eigentümerwechsel und ein Milliarden-Deal, den der Markt abstraft. In der Nacht legt Apple Zahlen vor.
BYD: Das Wachstum kommt von draußen
BYD wächst, aber nicht zu Hause. Im Oktober gingen 170.194 Autos ins Ausland, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahresmonat. Im Inland sinken die Verkäufe dagegen weiter. Unterm Strich setzte BYD trotzdem 11 Prozent mehr ab als vor einem Jahr.
Bei der Konkurrenz zeigt sich dasselbe Muster. XPeng meldet einen Auslieferungsrekord, Chery und Geely verdoppeln ihre Übersee-Verkäufe nahezu. Nio dagegen lieferte weniger aus als vor einem Jahr. Die Nio-Aktie liegt binnen zwölf Monaten 55 Prozent im Minus. Der chinesische Automarkt teilt sich also in zwei Lager: Wer exportiert, wächst. Wer nur den Heimatmarkt hat, verliert.
Der Haken heißt Brüssel. Das Rahmenabkommen zwischen Peking und der EU deckelt die Einfuhr chinesischer Hybridautos für 2027 bei 350.000 Stück. BYD antwortet mit einem Werk in Ungarn, das bald öffnen soll. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn noch ein Viertel im Minus. Wer sie kauft, setzt nicht auf eine China-Erholung. Er wettet darauf, dass BYD im Ausland schneller wächst, als Quoten und Zölle bremsen.
Rüstung: Volle Bücher, leere Regale
RENK hat heute die Übernahme von David Brown Defence abgeschlossen und baut sein Marinegeschäft aus. Der britische Antriebsspezialist bringt einen Auftragsbestand samt Pipeline, also bereits angebahnter Geschäfte, von über 700 Millionen Pfund bis 2030 mit. Gemessen am RENK-Umsatz ist das ein spürbarer Zukauf. Die RENK-Aktie reagiert trotzdem kaum und liegt binnen zwölf Monaten 45 Prozent im Minus.
Dass selbst volle Auftragsbücher keine Garantie sind, zeigt Rheinmetall. Einem Branchenbericht zufolge wird der Bundeswehr-Großauftrag „Arminius“ für Boxer-Radpanzer wohl erst im Februar 2027 statt Anfang Dezember erteilt. Damit käme er nicht mehr in die Bücher für 2026, und die Aktie gab nach. Jefferies bleibt dennoch bei Kaufen mit Kursziel 1.350 Euro.
Wo hakt es also? In der zentralen Ersatzteillogistik der Bundeswehr in Wolfhagen, die Hensoldt betreibt, gibt es seit dem Lagerumzug im Juni bis zu 1.000 Störungen pro Tag. Zuvor waren es rund 100 im Jahr. Die Nachfrage ist unbestritten, aber jede Verschiebung landet direkt im Quartal.
Wo Rüstungskonzerne an der Logistik scheitern, entscheidet über die Verteidigungsfähigkeit zunehmend auch die Energieversorgung. Ein Report zeigt, wie Wasserstoff als Schlüsseltechnologie kritische Infrastruktur schützt und welche Investmentchancen sich daraus im Verteidigungssektor ergeben. Kostenlosen Report zu Wasserstoff und Verteidigung herunterladen
Commerzbank: Das Quartal ist Nebensache
Bei der Commerzbank zählt am Donnerstag weniger das Quartal als der künftige Eigentümer. UniCredit sicherte sich im Sommer über ein Tauschangebot Zugriff auf knapp 50 Prozent der Aktien. UniCredit-Chef Orcel will die Kontrolle bis Jahresende. Einige prominente Investoren fürchten laut Handelsblatt, dass damit ihre Anlagethese zerstört wird, und wenden sich ab.
Ist das ein Grund zur Flucht? Die Commerzbank-Aktie liegt mit knapp 38 Euro deutlich unter dem September-Hoch von gut 43 Euro. Das mittlere Analystenziel und die geschätzte Dividende für 2026 sprechen allerdings nicht für eine Flucht. Die LBBW sieht die Übernahme sogar als Chance.
In Italien rollt derweil die eigentliche Konsolidierungswelle. Intesa Sanpaolo will laut Bloomberg in der Woche ab dem 23. November ihr 33-Milliarden-Euro-Angebot für Monte dei Paschi starten. Bei Europas Banken entscheiden derzeit Übernahmefantasie und Kreditwachstum über den Kurs. Die Commerzbank hat davon nur noch das Kreditwachstum in der eigenen Hand.
Marvell und Lumentum: Großer Deal, schlechte Laune
Marvell kauft groß ein, und der Markt straft das ab. Marvell übernimmt den Photonikhersteller Lumentum für 115 Milliarden Dollar inklusive Schulden, komplett in Aktien. Photonik bedeutet, Daten mit Licht statt mit Strom zu übertragen. Die Marvell-Aktie verlor im frühen Handel deutlich.
Warum fällt ausgerechnet das Übernahmeziel? Weil der Kaufpreis in Marvell-Aktien gezahlt wird, schrumpft das Angebot mit jedem Kursrutsch des Käufers. Lumentum liegt im Verlauf rund 14 Prozent im Minus.
Das Geschäft selbst läuft. Lumentum steigerte den Quartalsumsatz um 136 Prozent. Firmenchef Hurlston sagt, optische Bauteile seien bis Anfang 2029 ausverkauft. Angezweifelt wird nicht das Wachstum, sondern der Preis, den Käufer dafür zahlen.
Apple: Heute Nacht zählt die Marge
Apple legt heute nach US-Börsenschluss Zahlen vor, erstmals mit John Ternus als Vorstandschef. Analysten erwarten im Schnitt ein Umsatzplus von 11 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt die Apple-Aktie 30 Prozent im Plus.
Worauf kommt es an? Auf die Bruttomarge, den Anteil vom Umsatz, der nach den direkten Herstellkosten übrig bleibt. Sie dürfte laut Juli-Prognose auf 47 bis 48 Prozent sinken. Nach Intels Absturz am Freitag wegen der PC-Schwäche prüft der Markt genau diesen Punkt heute Nacht am genauesten.
Apple hat sich in diesem Jahr zur Absicherung gegen den KI-Handel entwickelt. Der Grund ist die Zurückhaltung bei Investitionen, die weit unter denen von Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta liegen. Im vergangenen Monat legte Apple etwa 3 Prozent zu, während der Halbleiter-ETF SOXX, ein börsengehandelter Fonds auf Chipwerte, rund 17 Prozent verlor.
Was jetzt zählt
Drei Dinge entscheiden die nächsten Tage. Erstens Apples Marge heute Nacht, während die US-Zwischenwahlen am Dienstag für politische Nervosität sorgen. Zweitens die Zahlen von Rheinmetall und Commerzbank am Donnerstag. Dort wiegen der Auftragseingang und die Aussagen zu UniCredit mehr als das Quartal selbst.
Drittens BYD und die anderen Exporteure. Können sie ihr Tempo gegen die Brüsseler Quoten halten? Davon hängt ab, ob die heutige Erholung chinesischer Autowerte mehr ist als ein Gegenstoß vom Tief.
Viele Grüße vom Treff, Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 2. November: BYD – Kaufen, halten oder verkaufen?
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