BYD und VW im Clinch: Fünf Auto-Aktien zwischen Aufstieg und Rückruf

BYD setzt sich in Europa an die Spitze der Neuzulassungen, während Volkswagen einen Rückruf von fast 100.000 Elektrofahrzeugen bewältigen muss. Die Branche zeigt ein gespaltenes Bild zwischen chinesischer Offensive und europäischer Defensive.

BYD Aktie
Kurz & knapp:
  • BYD überholt Tesla knapp bei EU-Neuzulassungen
  • Volkswagen ruft fast 100.000 E-Fahrzeuge zurück
  • XPeng gründet eigene Robotaxi-Geschäftseinheit
  • Daimler Truck und Deutz setzen auf Effizienz

Zum zweiten Mal in Folge hat BYD bei den europäischen Neuzulassungen Tesla überholt — mit gerade einmal 290 Fahrzeugen Vorsprung. Während der chinesische Hersteller seinen Marktanteil auf dem Kontinent verdreifacht, kämpft Volkswagen mit einem Rückruf von fast 100.000 Elektrofahrzeugen. Und mittendrin gründet XPeng eine eigene Robotaxi-Sparte. Die Autobranche liefert in dieser Woche Stoff für mehrere Schlagzeilen gleichzeitig.

Batterieelektrische Fahrzeuge erreichten in den ersten beiden Monaten 2026 einen EU-Marktanteil von 18,8 Prozent — nach 15,2 Prozent im Vorjahr. Die steigende Flut hebt allerdings nicht alle Boote gleichermaßen.

BYD: Europas neuer Zulassungskönig

Die Februar-Zahlen bestätigen den Trend: BYD registrierte 17.954 Fahrzeuge in Europa, Tesla kam auf 17.664. Entscheidender als der knappe Monatsvorsprung ist die Dynamik dahinter. Die kumulierten Zulassungen seit Jahresbeginn kletterten auf 36.069 Einheiten — ein Plus von 162,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Tesla legte im selben Zeitraum lediglich um 0,9 Prozent zu.

Allein in der EU brachte BYD zwischen Januar und Februar 29.291 Fahrzeuge auf die Straße, ein Sprung von 179 Prozent. Der Marktanteil stieg von 0,7 auf 1,8 Prozent. Für 2026 peilt der Konzern 1,3 Millionen Auslandslieferungen an — ein Wachstum von rund 24 Prozent, mit Schwerpunkt Europa und Lateinamerika.

Die Heimatfront bleibt allerdings herausfordernd: Die kombinierten Absatzzahlen für Januar und Februar fielen um rund 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Wiedereinführung einer fünfprozentigen Kaufsteuer auf New-Energy-Fahrzeuge und saisonale Effekte durch das Neujahrsfest drückten die Nachfrage.

Volkswagen: Rückruf überschattet die Bewertungsdebatte

94.031 Elektrofahrzeuge weltweit — das ist die Dimension des Rückrufs, den VW diese Woche kommunizieren musste. Betroffen sind die Modelle ID.3, ID.4 und ID.5 aus dem Zwickauer Werk sowie beide ID.Buzz-Varianten aus Hannover. Auch der Cupra Born fällt unter die Maßnahme.

Das Problem: Einzelne Module in der Hochvoltbatterie entsprechen möglicherweise nicht den Spezifikationen. Die Folgen reichen von verringerter Reichweite über Warnleuchten bis hin zu einem Brandrisiko. Personen- oder Sachschäden wurden bislang nicht gemeldet. VW setzt auf ein Software-Update, bei Bedarf werden Batteriemodule kostenlos getauscht.

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Analysten werten den Vorfall als ernstes Warnsignal für die Qualitätskontrolle der MEB-Plattform — mit dem Potenzial, das Verbrauchervertrauen in Volkswagens elektrische Zukunft zu untergraben. Die Aktie notiert bei 88,28 Euro, rund 17 Prozent unter dem Jahresstartkurs und nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. RBC Capital senkte das Kursziel auf 135 Euro, Warburg Research und Jefferies halten an ihren Kaufempfehlungen fest. Der nächste Katalysator: die Q1-Zahlen am 29. April.

XPeng: Robotaxi-Sparte gegründet, Analysten uneins

Am 23. März hat XPeng eine eigenständige Robotaxi-Geschäftseinheit ins Leben gerufen. Die Sparte verantwortet künftig Produktdefinition, F&E-Tests und den operativen Betrieb des autonomen Fahrdienstes. CEO He Xiaopeng kündigte Demonstrationsbetrieb mit Passagieren für die zweite Jahreshälfte 2026 an — Fahrten ohne Sicherheitsbegleitung sollen 2027 folgen.

Das Herzstück der Strategie ist der GX, ein sechssitziges Flaggschiff-SUV mit VLA-2.0-Hardware. Straßentests laufen seit Februar in Guangzhou, die kommerzielle Markteinführung ist für das zweite Quartal geplant. Insgesamt hat XPeng drei Robotaxi-Modelle angekündigt, alle unter 200.000 CNY (rund 29.100 US-Dollar), ausgestattet mit vier hauseigenen Turing-KI-Chips und 3.000 TOPS Rechenleistung.

Die Investitionen in physische KI sollen von 4,5 Milliarden Yuan im Vorjahr auf 7 Milliarden Yuan steigen. Ambitioniert, angesichts eines schwächeren Q1-Ausblicks: XPeng prognostiziert 61.000 bis 66.000 Auslieferungen, ein Rückgang von 30 bis 35 Prozent zum Vorjahr.

Die Analystenmeinungen gehen auseinander:

  • Macquarie stufte am 23. März von „Outperform“ auf „Neutral“ herab, Kursziel von 24 auf 19 US-Dollar gesenkt
  • Barclays behielt die Untergewichtung bei und reduzierte das Ziel auf 16 US-Dollar
  • Der Durchschnitt aus 23 Analysten liegt dennoch bei 23,80 US-Dollar — ein Aufschlag von rund 26 Prozent

Die Aktie notiert bei 15,85 Euro, gut ein Drittel unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der RSI von 22 signalisiert eine überverkaufte Situation.

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Daimler Truck: Neue Personalchefin, altes Sparprogramm

Nicht Schlagzeilen, sondern stille Weichenstellungen bestimmen das Bild bei Daimler Truck. Yvonne Bettkober, bisher mit der Transformation bei Audi betraut, wechselt zum 1. Oktober 2026 in den Vorstand und übernimmt das Personalressort. Sie löst Jürgen Hartwig ab, der nach über 30 Jahren das Unternehmen verlässt.

Die Personalie passt zur übergeordneten Strategie. Das Effizienzprogramm „Cost Down Europe“ lieferte 2025 Nettoeinsparungen von über 100 Millionen Euro — mehr als ursprünglich geplant. Für 2026 liegt die Zielmarke bei mindestens 250 Millionen Euro an wiederkehrenden Einsparungen.

Im Industriegeschäft lag der Umsatz 2025 bei 45,9 Milliarden Euro, deutlich unter den 50,7 Milliarden des Vorjahres. Die bereinigte Umsatzrendite erreichte 7,8 Prozent. Das Management erwartet ein stärkeres zweites Halbjahr 2026 dank höherer Volumina und Effizienzgewinne. Bei einem Kurs von 41,31 Euro bewegt sich die Aktie nah an ihrem 50-Tage-Durchschnitt — ohne große Ausschläge in beide Richtungen.

Deutz AG: MDAX-Aufstieg vor dem Zahlenwerk

Morgen wird es ernst: Am 26. März veröffentlicht Deutz seinen Jahresbericht 2025. Das Handelsvolumen stieg bereits deutlich auf über 1,4 Millionen Aktien — ein Zeichen erhöhter Aufmerksamkeit.

Rückenwind kommt von der bestätigten Aufnahme in den MDAX, die passiven Indexfonds Kaufdruck bescheren dürfte. Die vorläufigen Zahlen für das erste Quartal 2026 dämpfen allerdings die Euphorie: Der Auftragseingang schwächte sich sequenziell ab, europäische Kunden zeigten sich zurückhaltend. Der Umsatz blieb quartalsweise stabil, moderierte aber im Jahresvergleich — Lagerbereinigungen bei Händlern und verschobene Bauprojekte bremsten.

Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch. Kepler Cheuvreux hob das Kursziel auf 12,00 Euro an, Warburg Research setzte die Marke sogar bei 12,90 Euro. Die Aktie steht bei 9,16 Euro — ein sattes Viertel unter ihrem 52-Wochen-Hoch, aber gut 62 Prozent über dem Apriltief 2025. Der RSI von 38 deutet auf anhaltendes Abwärtsmomentum hin.

Autobranche vor einem gespaltenen zweiten Quartal

Die fünf Titel zeichnen ein zweigeteiltes Bild der Branche:

  • Chinesische Offensive: BYD verdreifacht seinen Europa-Anteil, XPeng investiert Milliarden in autonomes Fahren — beide setzen auf Technologie und Expansionstempo
  • Europäische Defensive: Volkswagen managt Qualitätsprobleme auf seiner zentralen Elektro-Plattform, Daimler Truck spart und restrukturiert, Deutz hofft auf MDAX-Impulse bei zyklischem Gegenwind
  • Bewertungskluft: VW handelt mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,25 und einer Dividendenrendite von über 7 Prozent — Kennzahlen, die entweder Schnäppchen oder Warnsignal sind

Die entscheidende Bruchstelle im Sektor verläuft nicht mehr zwischen Verbrenner und Elektro. Sie verläuft zwischen chinesischen Herstellern, die mit Technologieinvestitionen und Exportambition aggressiv wachsen, und europäischen Konzernen, die Rückrufe, Umstrukturierungen und Margendruck gleichzeitig bewältigen müssen. Ob die Bewertungsabschläge der Europäer gerechtfertigt sind oder eine Übertreibung darstellen, wird spätestens die Quartalssaison im April zeigen.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.