Canopy Growth verfolgt einen klaren Plan: weg vom umkämpften kanadischen Freizeitmarkt, hin zu margenstärkeren Medizinalgeschäften. Die Aktie legte am Freitag moderate 1,26 Prozent auf 0,85 Euro zu. Über 12 Monate gerechnet verlor das Papier aber knapp 26 Prozent – ein Zeichen, wie tief der Cannabis-Sektor aus dem Tal schaut.

Der Kurs liegt aktuell 13,33 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 0,75 Euro. Der RSI von 40,7 signalisiert Luft nach oben, solange die Aktie nicht überkauft ist.

Tweed geht in die Offensive

Der wichtigste Treiber: die Rückkehr der Marke Tweed auf den deutschen Medizinalmarkt. Es ist der erste große internationale Schritt nach der Übernahme von MTL Cannabis, einem Deal im Wert von rund 125 Millionen kanadischen Dollar.

Canopy bringt drei hoch-THC-Strains ins Rennen: Pablo’s Revenge, Dante’z Inferno und Frost’d Flakes. Das Management kündigte an, dass bis zu fünf weitere Sorten in den kommenden Wochen folgen sollen. Der deutsche Markt profitiert von etablierten Verschreibungsstrukturen – ein entscheidender Vorteil für Canopy.

Das Ziel: ein größeres Stück vom europäischen Medizinal-Kuchen. Die Margen dort sind deutlich stabiler als im kanadischen Adult-Use-Segment.

Neue Formate, höhere Treue

Parallel dazu stärkt Canopy das Heimatgeschäft. Die Tochter Spectrum Therapeutics bringt neue Softgel-Verpackungen auf den Markt – in 30er- und 90er-Packungen. Größere Dosen bedeuten mehr Flexibilität für Langzeitpatienten. Und höhere Patiententreue für Canopy.

Das Unternehmen diversifiziert sein Angebot über getrocknete Blüten hinaus. Die neuen Formate sollen die Stückkosten senken und die Bindung an die Marke festigen.

Bilanzielle Korrektur ohne Substanzverlust

Um diese Expansion zu finanzieren, hat Canopy seine Bilanz gestärkt. Nach der strategischen Rekapitalisierung im Frühjahr standen per Ende des Geschäftsjahres netto 131,3 Millionen kanadische Dollar in der Kasse – genug, um die MTL-Integration und den Deutschland-Einstieg zu stemmen.

Ein Wermutstropfen: das Unternehmen kündigte an, seine Jahresabschlüsse für 2024 und 2025 neu darzustellen. Grund ist ein nicht zahlungswirksamer Buchungsfehler bei der Klassifizierung von aktienbasierten Optionsscheinen. Das Management betont: Umsatz, Bruttomarge und Cashflow sind nicht betroffen.

Was bleibt

Die nächste große Weiche für die gesamte Branche könnte im Juni fallen. Dann steht in den USA eine Anhörung zur möglichen Neuklassifizierung von Cannabis an. Ein positiver Ausgang würde Schub geben – auch wenn Canopy den Fokus klar auf Kanada und Europa gelegt hat.

Technisch gesehen steckt die Aktie in einer Konsolidierungsphase. Die 50-Tage-Linie bei 0,93 Euro ist der erste Halt, die 200-Tage-Marke bei 1,02 Euro das nächste Ziel. Der Weg zurück in den Aufwärtstrend bleibt lang. Aber die Richtung stimmt.