Der Absturz der Capgemini-Aktie beschleunigt sich. Mit 89,44 Euro notiert der Titel nur gut drei Prozent über dem Jahrestief. Seit Januar hat das Papier über 36 Prozent an Wert verloren.

Was auf den ersten Blick wie ein Desaster aussieht, lockt eine bestimmte Sorte Anleger an: Dividendenjäger.

Abgestürzt, aber attraktiv

Der Abverkauf im IT-Consulting-Sektor hat die Bewertung von Capgemini auf Niveaus gedrückt, die Einkommensinvestoren aufhorchen lassen. Der Konzern steckt mitten in einer Neuausrichtung, die teuer ist. Gleichzeitig verspricht das Management hohe Kapitalrückflüsse.

Bis 2028 will Capgemini einen kumulierten organischen Free Cashflow von über sechs Milliarden Euro erwirtschaften. Das Geld soll in die „Fit-for-Growth“-Initiative fließen. Allerdings steigen die Restrukturierungskosten um rund 200 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.

Die Aktie liegt unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Der RSI von 31,5 deutet auf überverkaufte Niveaus hin. Technisch sieht es mau aus.

Der Weg in die KI-Zukunft

Das Kerngeschäft – traditionelle IT-Beratung – stagniert. Capgemini setzt deshalb auf „Agentic AI“. Dahinter steckt die großflächige Integration autonomer KI-Agenten in Unternehmensabläufe. Weg von Experimenten, hin zur industriellen Nutzung.

Drei Pfeiler stützen die Strategie. Erstens: eine strategische Investition in die OpenAI Deployment Company, die im Mai bekannt gegeben wurde. Zweitens: der Status als erster SAP Sovereign Cloud Partner, der Zugang zu regulierten Märkten öffnet. Drittens: die Integration von Zukäufen wie WNS, die jährlich rund zwei Prozentpunkte zum Umsatzwachstum beitragen sollen.

Das ambitionierte Ziel für 2028: ein jährliches Umsatzwachstum von 5,5 bis 7,5 Prozent. Die bereinigte operative Marge soll auf 12,1 bis 12,3 Prozent steigen.

Offene Baustellen

Die Stimmung bleibt vorsichtig. Analysten verweisen auf Margendruck und die hohe Schuldenlast aus der jüngsten Akquisitionsphase. Eine Trendanalyse hat Capgemini kürzlich innerhalb der Technologie-Portfolios herabgestuft.

Im Juli folgen die Halbjahreszahlen. Dann zeigt sich, ob die KI-Strategie tatsächlich die Margen beflügelt. Und ob der Konzern das Vertrauen der Anleger zurückgewinnt.