Für das französische Recyclingunternehmen Carbios steht der Übergang von der technologischen Machbarkeit in den industriellen Maßstab im Mittelpunkt. An der Börse wird die Entwicklung zurückhaltend bewertet: Die Aktie notiert bei 5,29 Euro, was einer Marktkapitalisierung von 91,61 Millionen Euro entspricht.
Seit Jahresanfang beläuft sich das Minus auf 53 Prozent. Im Fokus steht dabei das Zusammenspiel aus Auslastung und Finanzierung der geplanten Großanlage im französischen Longlaville.
Fortschritte beim Kernprojekt in Longlaville
Bei der Vermarktung der Produktionskapazitäten für die dortige Anlage verzeichnet das Unternehmen wichtige Schritte. Eine kommerzielle Vereinbarung mit einem großen Akteur aus der Getränkeindustrie befindet sich in der Finalisierung.
Kommt der Vertrag zustande, könnten die Vorabverkäufe für Longlaville auf 60 Prozent der nominalen Kapazität ansteigen. Eine solche Abnahmezusage gilt als wesentlicher Baustein, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Standorts abzusichern.
Mit dem Voranschreiten der Abnahmeverträge hängt auch das finanzielle Fundament des Projekts zusammen. Die Kreditkomitees einer Mehrheit der Projektkreditgeber haben der Finanzierung bereits zugestimmt. Parallel dazu dauern die Prüfungen durch eine Exportkreditagentur sowie beteiligte Eigenkapitalpartner weiter an. Erst mit deren Abschluss steht die vollständige Finanzierung für das Bauvorhaben.
Technologische Validierung und Kostenentwicklung
Auf der verfahrenstechnischen Seite legte das Unternehmen vor gut einer Woche Ergebnisse vor. Im Rahmen des Fiber-to-Fiber-Konsortiums mit den Partnern Patagonia, PUMA und Salomon gelang die Validierung der Produktion im Industriemaßstab.
Mehr als eine Tonne recyceltes PET unter der Bezeichnung EnzyTex wurde auf europäischen Fertigungsstraßen zu T-Shirts verarbeitet. Die Fasern wiesen dabei Eigenschaften auf, die jenen von neuwertigem Polyester entsprachen.
Auf der Kostenseite zeigte die Bilanz für das erste Halbjahr 2026, die vor rund zwei Wochen vorgelegt wurde, eine spürbare Entlastung. Carbios verringerte den Nettoverlust im ersten Halbjahr 2026 auf 9,4 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum ein höherer Fehlbetrag angefallen war.
Die betrieblichen Aufwendungen sanken im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 19 Prozent. Zum Stichtag am 30. Juni 2026 standen Barmittel von 48 Millionen Euro zur Verfügung.
Für Carbios entscheidet sich der weitere Weg an der erfolgreichen Umsetzung der enzymatischen Recyclingtechnologie im großindustriellen Regelbetrieb. Die vertragliche Absicherung der Abnahmemengen und das Schließen der verbleibenden Finanzierungslücken bilden dafür das Fundament.
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