Carvana will den US-Autohandel aufmischen. Der Online-Händler dringt aggressiv in den Neuwagenmarkt vor – und kauft dafür gleich mehrere Stellantis-Händler. Die Expansion gilt als disruptiv. An der Börse kommt sie heute nicht gut an.

Die Aktie fällt um 7,84 Prozent auf 55,60 Euro. Am Dienstag schloss sie noch bei 60,33 Euro. Der RSI liegt bei 24,7 – tief im überverkauften Bereich. Die Volatilität bleibt mit knapp 57 Prozent hoch.

Sieben Händler übernommen

Seit 2025 hat Carvana ein Netz von sieben Stellantis-Vertragshändlern aufgebaut. Jeep, Ram und Chrysler laufen jetzt über die Online-Plattform. Analysten bezeichnen den Schritt als eine der stärksten Marktveränderungen seit Jahrzehnten.

Ein Beispiel zeigt, wie radikal der Wandel ist: Eine Carvana-Filiale in Casa Grande, Arizona, verkaufte über 700 Neuwagen pro Monat. Vor der Übernahme waren es 30 bis 50 Fahrzeuge. Das Unternehmen setzt auf herkömmliche Händler, digitalisiert aber den gesamten Verkaufsprozess.

Parallel eröffnen sich neue Einnahmequellen. Carvana erwartet mehr Serviceaufträge, Zugang zu Auktionsplattformen und bessere Konditionen beim Gebrauchtwagen-Ankauf. Die vorhandene Logistik und die eigene Bewertungssoftware helfen, Kosten niedrig zu halten.

Rekordquartal, aber sinkende Margen

Das erste Quartal 2026 lief operativ stark. Carvana verkaufte 187.393 Fahrzeuge – ein Plus von 40 Prozent zum Vorjahr. Der Umsatz stieg auf 6,43 Milliarden Dollar, der Nettogewinn auf 405 Millionen. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei 672 Millionen.

Doch die Gewinnmargen geraten unter Druck. Branchenweite Wertverluste bei Gebrauchtwagen, niedrigere Transportgebühren und Anlaufprobleme an neuen Standorten belasten das Ergebnis. Die Rendite fiel zuletzt schwächer aus als erwartet.

Investoren reagieren nervös. Sie wägen die Wachstumschancen gegen die operativen Risiken ab. Das Management rechnet für das zweite Quartal mit steigenden Verkaufszahlen und einem höheren bereinigten Ergebnis. Ob die Margen halten, ist offen.