Rekordgewinn, aber der Glanz bekommt Kratzer: CATL meldet für das zweite Quartal das schwächste Gewinnwachstum seit über einem Jahr. Gleichzeitig bröckelt die Dominanz des chinesischen Batterieriesen im eigenen Heimatmarkt. Die Aktie schloss am Freitag bei 383,01 Yuan, ein Minus von 0,77 Prozent.

Gewinn schlägt Erwartungen, Tempo lässt nach

Im April-Juni-Quartal stieg der Nettogewinn um 36,5 Prozent auf 22,5 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 3,32 Milliarden Dollar. Analysten hatten laut LSEG SmartEstimate nur mit einem Plus von 29,7 Prozent gerechnet. Trotzdem markiert dieser Wert das langsamste Gewinnwachstum seit mehr als einem Jahr.

Der Umsatz legte im zweiten Quartal um 56,9 Prozent auf 147,8 Milliarden Yuan zu. Im ersten Quartal hatte das Plus noch bei 52,5 Prozent gelegen. Für das erste Halbjahr insgesamt steht ein Nettogewinn von 43,28 Milliarden Yuan zu Buche, ein Anstieg von 41,98 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Verlangsamung im Quartalsvergleich deutet an: Das Expansionstempo, das die Kursrally der vergangenen Monate trug, normalisiert sich.

Heimvorteil bröckelt

Parallel zur nachlassenden Gewinndynamik verliert CATL im chinesischen Heimatmarkt an Boden. Der Konzern blieb im Juni zwar größter Batteriehersteller Chinas. Sein Marktanteil sank aber um 3,43 Prozentpunkte gegenüber Mai.

Konkurrent BYD gewann im selben Zeitraum 1,92 Prozentpunkte hinzu und kommt nun auf 18,49 Prozent Marktanteil. CALB überholte zudem Gotion High-Tech und rückte auf Platz drei vor. Laut Daten der China Automotive Battery Innovation Alliance installierte CATL im Juni 32,59 GWh an Batterieleistung und führte den Gesamtmarkt mit 42,70 Prozent Anteil an — verzeichnete dabei aber den größten Rückgang unter den 15 größten Herstellern.

Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang im Kerngeschäft: Der Anteil bei LFP-Batterien, dem größeren Batteriesegment, fiel um 2,89 Prozentpunkte. Genau hier lag also der Hauptgrund für den schrumpfenden Gesamtanteil.

BYD holt derweil kräftig auf. Die Installationen des Rivalen stiegen gegenüber Mai um fast 19 Prozent auf über 11,87 GWh und wuchsen damit deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Der Abstand zu CATL schrumpfte um etwa 5,4 Prozentpunkte auf nun 24,21 Prozentpunkte. Zusammen kontrollieren beide Konzerne weiterhin 61,19 Prozent des chinesischen Marktes — die Branche bleibt also hochkonzentriert, auch wenn sich die Gewichte verschieben.

Margen geraten unter Druck

Zur schwindenden Marktmacht kommt Druck auf die Profitabilität im Kerngeschäft. Das Batteriegeschäft für Elektrofahrzeuge erwirtschaftete im ersten Halbjahr 192,12 Milliarden Yuan Umsatz, ein Plus von 46,02 Prozent. Die Bruttomarge lag dabei bei 20,63 Prozent.

Zum Vergleich: Die Bruttomarge des Gesamtkonzerns liegt bei 23,93 Prozent, selbst das ist ein Rückgang von 1,09 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Das Speichergeschäft federt die Entwicklung derzeit ab. CATL setzt zunehmend auf Energiespeicher als Wachstumstreiber, während sich der EV-Markt normalisiert und der Wettbewerb unter Batterieherstellern schärfer wird.

International bleibt CATL tonangebend

Im Ausland zeigt sich ein anderes Bild. Der Zulieferer von Tesla, BMW und Volkswagen hielt zwischen Januar und Mai laut SNE Research einen Anteil von 40,2 Prozent am globalen Markt für EV-Batterien. Werke in Deutschland und Ungarn untermauern die internationale Expansion, im Mai kamen durch ein Listing in Hongkong zusätzlich 5 Milliarden Dollar in die Kasse — das Geld ist größtenteils für den Ausbau im Ausland vorgesehen.

Die Aktie notiert derzeit rund 18 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 468,75 Yuan, das im Mai erreicht wurde. Über die vergangenen zwölf Monate steht dennoch ein Plus von knapp 35 Prozent zu Buche. Ob Anleger den schwindenden Heimatmarktanteil als vorübergehende Delle im intensiven Wettbewerb mit BYD werten oder als frühes Signal für einen erreichten Höhepunkt der CATL-Dominanz — das dürfte sich in den kommenden Quartalsberichten zeigen, wenn sich abzeichnet, ob Speichergeschäft und Auslandsexpansion den Margendruck im EV-Geschäft weiter ausgleichen können.