Diplomatische Fortschritte im Nahen Osten haben den britischen Nebenwerten zum Wochenabschluss kräftigen Rückenwind verliehen. Trotz hartnäckiger Inflationsdaten aus den USA setzten die Anleger auf eine Entspannung der globalen Krisenherde. Diese neue Risikofreude trieb den Cboe UK Small Companies Index am Freitag deutlich ins Plus.

Diplomatie besiegt Inflationssorgen

Der Index beendete die Woche bei 17.732,72 Punkten, was einem Zuwachs von 0,60 % entspricht. Haupttreiber war die fragile, aber vorerst haltende Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sowie die Ankündigung Israels, direkte Gespräche mit dem Libanon aufzunehmen. Diese geopolitische Deeskalation überlagerte die Sorgen über die US-Verbraucherpreise, die mit einer Rate von 3,3 % weiterhin über den Erwartungen lagen.

Während die Märkte in den „Risk-on“-Modus schalteten, blieb die Stimmung dennoch vorsichtig. Das Handelsvolumen bei vielen Nebenwerten lag leicht unter dem Durchschnitt, da viele Akteure vor dem Wochenende keine zu großen Risiken eingehen wollten.

AO World glänzt, Impax stürzt ab

Besonders deutlich zeigten sich die Kursbewegungen bei den Einzelwerten. Der Online-Händler AO World schoss um 8,0 % nach oben. Das Unternehmen hob seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr an und erwartet nun ein Ergebnis am oberen Ende der Spanne von bis zu 50 Millionen Pfund. Verantwortlich dafür sind neben einem Umsatzwachstum von 11 % vor allem erfolgreiche Absicherungsgeschäfte bei den Energie- und Kraftstoffkosten.

Einen dramatischen Einbruch erlebte hingegen Impax Asset Management. Die Aktie verlor 26 % an Wert, nachdem das Unternehmen einen Rückgang des verwalteten Vermögens auf 22,31 Milliarden Pfund vermelden musste. Massive Nettokapitalabzüge von über zwei Milliarden Pfund überschatteten dabei die eigentlich positiven Marktkommentare des Managements.

Sektor-Rotation belastet Rüstungswerte

Die Hoffnung auf Frieden lastete spürbar auf dem Verteidigungssektor. Da die unmittelbare Nachfrage nach Absicherungen gegen geopolitische Risiken sank, gaben Schwergewichte wie Babcock (-3,3 %) und BAE Systems (-3,8 %) nach. Auch im Einzelhandel gab es Bewegung: B&M European Value Retail verlor 3,4 %, nachdem der Rückzug des Interims-Finanzvorstands bekannt wurde.

Zusätzlich zur Marktdynamik sorgte die britische Finanzaufsicht FCA für Aufmerksamkeit. In einer aktuellen Warnung wies die Behörde auf manipulative „Pump-and-Dump“-Systeme und gefälschte Übernahmeangebote hin, die gezielt auf britische Small- und Micro-Cap-Unternehmen abzielten.

Ausblick auf die neue Woche

Die weitere Entwicklung des Index hängt nun maßgeblich vom Erfolg der diplomatischen Gespräche in Islamabad ab. Kann sich die Waffenruhe stabilisieren, rückt ein Test der psychologisch wichtigen Marke von 18.000 Punkten in den Fokus. Sollte die Entspannung jedoch scheitern oder die Renditen der US-Staatsanleihen weiter steigen, bildet die Marke von 17.400 Zählern die erste signifikante Unterstützungszone nach unten.