Während ein britischer Brennstoffzellen-Spezialist institutionelle Investoren im großen Stil anzieht, kämpfen andere Wasserstoff-Titel mit zweistelligen Wochenverlusten und schrumpfenden Kassenbeständen. Die Kluft zwischen Kapitalgewinnern und Überlebenskämpfern im Sektor war selten so sichtbar wie in dieser Woche.

Ceres Power: Kapitalerhöhung als Vertrauensbeweis

Ceres Power hat durch eine überzeichnete Aktienplatzierung 103 Millionen Pfund eingesammelt. Rund 17,8 Millionen neue Aktien gingen zu 570 Pence an institutionelle Investoren — ein Abschlag von 6,5 % auf den Montag-Schlusskurs. Weitere Tranchen entfielen auf Privatanleger und das Management selbst. Die neuen Papiere entsprechen 9,2 % des bestehenden Grundkapitals.

Der typische Verwässerungseffekt drückte den Kurs am Mittwoch auf 571,50 Pence. In Euro gerechnet notiert die Aktie bei 6,62 € und hat damit seit Jahresbeginn rund 168 % zugelegt — eine der stärksten Performances im gesamten Wasserstoff-Universum.

Die Erlöse sollen gemeinsam mit den vorhandenen 78,7 Millionen Pfund Barmitteln die Bilanz stärken und den Aufbau von Produktionskapazitäten für Festoxid-Brennstoffzellen finanzieren. Das Management betont, dass eine solide Kapitalausstattung entscheidend sei, um Lizenzpartner wie Bosch, Doosan, Shell und Weichai bei ihren Skalierungsinvestitionen zu überzeugen. Im Fokus steht dabei zunehmend die Stromversorgung von KI-Rechenzentren — ein Markt, den Ceres mit seiner neuen Technologiegeneration „Ceres Endura“ adressiert.

Die Analystengemeinschaft ist gespalten: Rothschild Redburn hob das Kursziel auf 10,00 Pfund an und bestätigte die Kaufempfehlung. Die jüngste Einzelbewertung lautet hingegen „Sell“ mit einem Ziel von 590 Pence. Die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 wurde zuletzt von 63,6 auf 59,9 Millionen Pfund gesenkt, und die Verluste dürften steigen. Kommerzialisierung bleibt das Schlüsselwort — und das größte Fragezeichen.

ITM Power: Drei Juni-Entscheidungen als Weichenstellung

ITM Power steht an einem technisch kritischen Punkt. Innerhalb von sieben Handelstagen verlor die Aktie rund 31 % und schloss am Mittwoch bei 1,35 €. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 1,61 € ist bereits unterschritten. Fällt auch die Marke um 1,17 € (100-Tage-Linie), rückt der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,00 € in den Blick.

Operativ hat sich das Bild zuletzt aufgehellt. Der Halbjahresumsatz erreichte mit 18 Millionen Pfund einen Rekord, die Ganzjahresprognose liegt bei 40 bis 43 Millionen Pfund. Das Orderbuch umfasst 152 Millionen Pfund, wovon 71 % als profitabel gelten. Nettoliquidität zwischen 210 und 215 Millionen Pfund verschafft dem Unternehmen finanziellen Spielraum — ergänzt durch den 10,4-%-Anteil von Great British Energy nach einer 40-Millionen-Pfund-Kapitalspritze.

Drei Entscheidungen im Juni könnten den weiteren Kursverlauf bestimmen:

  • Chronos-Fördermittel: Die Genehmigung des 46,5-Millionen-Pfund-Zuschusses für die automatisierte Fertigungslinie in Sheffield liegt bei der britischen Wettbewerbsbehörde CMA. Ein Bescheid wird noch im Juni erwartet. Die Linie soll den neuen Chronos-Stack mit 2,5 MW Leistung produzieren — das Dreifache des Vorgängers, bei 40 % niedrigeren Kapitalkosten.
  • Hydrogen Allocation Round 2: ITM Power ist bereits als bevorzugter Lieferant für zwei Projekte benannt.
  • Uniper-Investitionsentscheidung: Die finale Freigabe für das 120-MW-Projekt in Killingholme könnte ebenfalls diesen Monat fallen.

Jefferies hat das Kursziel auf 200 Pence angehoben. Der Analystenkonsens liegt dagegen bei nur 84,60 Pence — eine Diskrepanz, die das Ausmaß der Meinungsverschiedenheit über die Bewertung verdeutlicht. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von über 93 % sind heftige Tagesausschläge allerdings Normalzustand.

Ballard Power: Positive Bruttomargen, aber Profitabilität bleibt fern

Ballard Power hat im ersten Quartal 2026 ein Umsatzplus von 26 % auf 19,4 Millionen US-Dollar erzielt. Die Bruttomarge drehte auf 14 % — eine Verbesserung um 37 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Die operativen Kosten sanken um 36 %. Trotzdem blieb das bereinigte EBITDA mit minus 11,4 Millionen Dollar negativ.

Das Herzstück der Kostenstrategie ist „Project Forge“: eine hochautomatisierte Fertigungslinie für Bipolarplatten, die im zweiten Halbjahr 2026 die volle Produktion aufnehmen soll. KI-gestützte Bilderkennungssysteme zur Fehlererkennung sollen die Stückkosten senken und die Qualität verbessern. Parallel expandiert Ballard im Busmarkt und hat mehrjährige Lieferverträge mit New Flyer, Wrightbus und Solaris unterzeichnet.

In Euro notiert die Aktie bei 3,75 € — ein Rückgang von rund 28 % binnen einer Woche. Seit Jahresanfang steht dennoch ein Plus von knapp 64 %. Auf der Hauptversammlung Anfang Juni trat Verwaltungsrätin Janet Woodruff zurück. Analysten haben ihre Kursziele zuletzt auf eine Spanne von etwa 2,50 bis 3,40 US-Dollar angehoben und verweisen auf verbesserte Margenaussichten. Ein Investorenforum am 22. Oktober soll den Weg zur Profitabilität detaillieren — ein Termin, den der Markt aufmerksam verfolgen wird.

HydrogenPro: Utah-Meilenstein trifft auf Liquiditätskrise

HydrogenPro hat einen bemerkenswerten operativen Erfolg verbucht: Alle 40 Elektrolyseure des 220-MW-ACES-Projekts in Utah sind vollständig in Betrieb. Es ist damit eines der weltweit größten Druckalkalin-Elektrolyse-Projekte. Ein zehnjähriger Servicevertrag untermauert die Fähigkeit des Unternehmens, Großprojekte in Nordamerika zu liefern.

Strategisch hat ein OEM-Abkommen mit LONGi sofortigen Zugang zu 1 GW Fertigungskapazität geschaffen. Das ermöglicht eine Straffung der Produktion und die Stilllegung des Tianjin-Werks. Kommerziell stehen Projekte im Umfang von einer Milliarde norwegischen Kronen kurz vor der finalen Investitionsentscheidung, mit Verhandlungen in Europa, Indien und der MENA-Region.

Das Problem liegt in der Kasse. Die Barreserven schmolzen von 102 Millionen auf nur noch 56 Millionen norwegische Kronen im ersten Quartal. Der Umsatz stagnierte bei 16 Millionen Kronen, der Nettoverlust verbesserte sich leicht auf minus 41 Millionen. Der Vorstand hat mit Clarksons Securities als Berater eine strategische Überprüfung eingeleitet. Frisches Kapital ist praktisch unausweichlich.

Die Aktie notiert bei gerade einmal 0,19 € — ein Minus von fast 48 % auf Monatssicht. Kein anderer Titel im Vergleichsfeld hat im selben Zeitraum so viel an Wert verloren. Die Marktkapitalisierung liegt bei umgerechnet nur noch rund 13 Millionen Euro.

PowerCell Sweden: Unterschätzter EBITDA-Meilenstein, doch der Markt straft ab

PowerCell Sweden hat 2025 ein historisches Ergebnis erzielt: erstmals positives Ganzjahres-EBITDA, 24 % organisches Wachstum (bereinigt um Wechselkurseffekte) und deutliche Margenverbesserungen. Marine ist das Kernsegment, Stromerzeugung entwickelt sich zum zweiten Standbein.

Der Blick auf das erste Quartal 2026 trübt das Bild. Der Umsatz lag bei 46,95 Millionen schwedischen Kronen, der Gewinn pro Aktie bei minus 0,70 SEK — eine negative Überraschung von 133 % gegenüber der Schätzung von minus 0,30 SEK. Der Kurs hat darauf empfindlich reagiert.

In Euro steht die Aktie bei 2,12 € und hat damit seit Jahresbeginn 23 % verloren — als einziger der fünf Titel im Minus. Der Konsens-Analysten-Kursziels von 33 SEK impliziert zwar rund 26 % Aufwärtspotenzial, die Gesamtempfehlung lautet jedoch „Hold“. Die technische Lage bleibt angeschlagen: Der Kurs notiert deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt, und das Handelsvolumen konzentriert sich auf Abwärtstage.

Kapitalkraft als neue Trennlinie im H2-Sektor

Die fünf Aktien zeichnen ein scharfes Bild der Kräfteverschiebung im Wasserstoff-Markt:

  • Ceres Power nutzt die Rally, um dreistellige Millionenbeträge einzusammeln — ein Luxus, den sich aktuell kein zweiter Titel leisten kann.
  • ITM Power verfügt über solide Liquidität und ein wachsendes Orderbuch, ist aber von politischen Einzelentscheidungen im Juni abhängig.
  • Ballard Power liefert die operativen Fortschritte, die der Markt sehen will — Profitabilität bleibt aber ein Thema für 2027 oder später.
  • HydrogenPro überzeugt bei der Projektausführung, doch die Liquiditätslage erzwingt schnelles Handeln.
  • PowerCell Sweden hat die beste EBITDA-Entwicklung, wird vom Markt aber für den schwachen Quartalsauftakt bestraft.

Wasserstoff zwischen Reifeprüfung und Realitätsschock

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Neubewertung des Sektors auf tragfähigem Fundament steht. Für ITM Power sind die CMA-Entscheidung und die HAR2-Vergabe die klarsten binären Ereignisse im Kalender. Ceres Power muss belegen, dass die frischen 103 Millionen Pfund schnell genug in Partnerprojekte fließen, um die Premiumbewertung zu rechtfertigen. Bei Ballard Power richtet sich der Blick auf den Produktionsstart von Project Forge im zweiten Halbjahr. HydrogenPros Milliarden-Pipeline an potenziellen Aufträgen könnte die Liquiditätslage transformieren — aber nur, wenn die Verträge vor dem Kassenende unterschrieben werden. Und PowerCell Swedens nächster Quartalsbericht wird darüber entscheiden, ob der Q1-Ausrutscher ein Einmaleffekt war oder den Beginn eines neuen Abwärtstrends markiert.