Chevron sichert sich in Venezuela ein deutlich größeres Fördergebiet – und das zu Bedingungen, die selbst bei niedrigen Ölpreisen komfortable Margen versprechen. Der US-Ölkonzern hat aktualisierte Vereinbarungen mit Venezuela unterzeichnet, die seine Joint Ventures im Orinoco-Gürtel stärken und um zusätzliche Fördergebiete erweitern.
Verdopplung der Produktion geplant
Konkret investiert Chevron in den kommenden fünf Jahren mehr als 7 Milliarden Dollar, um die Förderung von derzeit rund 280.000 auf etwa 600.000 Barrel pro Tag zu steigern. Die Gesamtkosten sollen dabei unter 20 Dollar je Barrel bleiben – angesichts eines Brent-Preises, der in diesem Jahr im Schnitt bei knapp 87 Dollar lag, eine rechnerisch komfortable Marge.
Das Joint Venture Petroindependencia, an dem Chevron mit 49 Prozent beteiligt ist, erhält Zugriff auf angrenzende Carabobo-Blöcke. Der Konzern hatte seinen Anteil an diesem Vehikel bereits im laufenden Jahr aufgestockt und sich zudem Rechte an Ayacucho 8 gesichert. Zusammen haben die drei venezolanischen Joint Ventures ihre Förderung 2026 bereits um 15 Prozent gesteigert.
Ein Vorteil aus jahrzehntelanger Präsenz
Die Ausweitung erfolgt unabhängig von der jüngst angekündigten Übernahme venezolanischer Ölreserven durch Washington, passt aber ins Bild einer Regierung, die nach der Absetzung von Nicolás Maduro wieder mehr US-Kapital in den venezolanischen Energiesektor lenken will.
Chevron profitiert dabei von einer Sonderstellung: Als einziger großer US-Ölkonzern blieb das Unternehmen durchgehend im Land aktiv, während ExxonMobil und ConocoPhillips 2007 nach Verstaatlichungen unter Hugo Chávez ausstiegen. Diese über Jahrzehnte aufgebaute Infrastruktur und Personalpräsenz vor Ort verschafft Chevron nun einen Vorsprung, den Wettbewerber kaum kurzfristig aufholen können.
Die Aktie reagierte am Vortag mit einem Kursplus von 2,38 Prozent und legte im vorbörslichen Handel weiter zu. Für Venezuela wären die zusätzlichen rund 300.000 Barrel täglich erheblich – sie entsprächen fast 30 Prozent der aktuellen nationalen Produktion von etwa 1,1 Millionen Barrel pro Tag, blieben aber weit unter den knapp 3,5 Millionen Barrel aus den späten 1990er Jahren.
Ob die neuen Vertragsbedingungen dauerhaft Bestand haben, bleibt die zentrale Unsicherheit hinter der Milliardeninvestition. Nach Jahren mit Sanktionen, Verstaatlichungen und politischen Eingriffen ist genau die Verlässlichkeit der venezolanischen Rahmenbedingungen der Faktor, an dem sich Chevrons Wachstumspfeiler in den kommenden Jahren messen lassen muss.
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