Donald Trump hat ein klares Ziel: Venezuelas Ölschatz soll den USA gehören. Nach der spektakulären Festnahme von Präsident Nicolás Maduro am 3. Januar verspricht der US-Präsident nun Zugang zu bis zu 50 Millionen Barrel Öl. Doch was für Chevron zunächst nach einer historischen Chance aussah, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als hochriskantes Unterfangen.
Die Reaktion an der Börse fiel erwartbar aus: Chevrons Aktie legte zweistellig zu. Schließlich ist der Konzern aktuell der einzige US-Riese mit Sondergenehmigung, der noch in Venezuela operiert. Konkurrenten wie Exxon Mobil und ConocoPhillips mussten vor knapp 20 Jahren das Land verlassen, nachdem ihre Vermögenswerte verstaatlicht wurden. Milliardenforderungen stehen bis heute offen.
Das Milliarden-Dilemma
Doch die anfängliche Euphorie weicht zusehends der Ernüchterung. Am 9. Januar lud Trump Vertreter von 17 großen Ölkonzerne – darunter Chevron, Exxon, ConocoPhillips sowie die Handelsriesen Vitol und Trafigura – ins Weiße Haus. Energieminister Chris Wright forderte Investitionen in Milliardenhöhe, um Venezuelas heruntergewirtschaftete Infrastruktur wieder aufzubauen.
Die Investoren reagieren skeptisch. Matthew Sallee von Tortoise Capital, einem bedeutenden Chevron-Aktionär, bringt es auf den Punkt: „Wenn Chevron sagt, wir stecken jährlich mehrere Milliarden in Venezuela, würden wir wahrscheinlich verkaufen.“ Der Grund: Die Infrastruktur ist desaströs. Alte, schlecht gewartete Tanker liegen vor der Küste, Speicheranlagen sind marode, Terminals arbeiten an der Kapazitätsgrenze.
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Logistik-Albtraum im Golf
Die praktischen Hürden sind enorm. Reedereien wie Maersk und American Eagle Tankers prüfen zwar Transferoperationen, doch versicherte Schiffe dürfen sanktionierten Tanker nicht direkt kontaktieren – selbst wenn Lizenzen erteilt werden. Hinzu kommt ein Mangel an kleineren Schiffen für den Transport vom Tanker zum Pier. Ship-to-Ship-Transfers in der Amuay-Bucht oder über Aruba sind zwar möglich, aber deutlich teurer.
Chevron steht unter massivem Druck, seine privilegierte Position an venezolanischen Terminals zu verteidigen und konkurriert aggressiv mit Handelshäusern um Ladeslots am wichtigsten José-Terminal. Gleichzeitig muss der Konzern Naphtha beschaffen, um das schwere venezolanische Rohöl transportfähig zu machen.
Eigentor für US-Produzenten
Dabei trifft Trumps Venezuela-Offensive ausgerechnet die heimische Ölindustrie hart. Bei Preisen unter 65 Dollar je Barrel – am 9. Januar notierte WTI bei 59,12 Dollar – operieren viele Produzenten bereits an der Rentabilitätsgrenze. Zusätzliche venezolanische Barrels würden den überversorgten Markt weiter fluten und die Margen drücken.
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Jasen Gast, CEO von Oilfield Service Professionals, warnt: „Die Flut venezolanischer Barrels ist mehr als nur eine Verschiebung des Angebots – sie ist ein Stresstest für das amerikanische Shale-Modell.“ Experten befürchten, dass der WTI-Preis Richtung 50 Dollar fallen könnte, was die Produktion in den USA unweigerlich senken würde.
Politisches Vabanque-Spiel
Die größte Unsicherheit bleibt die politische Stabilität. Wie lange will und kann die USA Venezuela kontrollieren? Außenminister Marco Rubio sprach von einem dreistufigen Plan: Stabilisierung, Wiederaufbau mit US-Beteiligung, dann Übergang. Doch zu wem? Die Übergangsregierung unter Delcy RodrÃguez bietet keine Garantien gegen erneute Enteignungen.
David Byrns von American Century Investments, ebenfalls Großaktionär bei Chevron, formuliert klar: „Investoren wollen langfristige Stabilität und fiskalische Konditionen sehen, die vor dem Risiko der Verstaatlichung schützen – das haben wir in der Vergangenheit in Venezuela erlebt.“
Für Chevron wird die Venezuela-Frage zur Zerreißprobe zwischen politischem Druck aus Washington und wirtschaftlicher Vernunft. Die Börse hat bereits reagiert – nach den anfänglichen Kursgewinnen macht sich Vorsicht breit.
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