Chevron-Chef Mike Wirth hat auf einer Energiekonferenz der University of Texas in Austin eine klare Warnung ausgesprochen: Die Puffer, die den Ölpreis während des Iran-Kriegs bislang gedämpft haben, sind aufgebraucht. Seine Einschätzung könnte für die Ölmärkte in den kommenden Monaten Gewicht bekommen.

Seit Kriegsbeginn Ende Februar hatten Länder Rohölreserven freigegeben, zudem lockerten die USA Restriktionen für schwimmende Öllager sanktionierter Staaten. Genau diese Ventile seien nun „ausgereizt“, so Wirth. Seine Formulierung ließ wenig Interpretationsspielraum: Ein schnelles Abschwächen der Preise sei kaum noch vorstellbar, die Risiken blieben in den kommenden Monaten nach oben gerichtet.

Diesel bei sechs Dollar, Brent im Wochenplus

Die Marktlage untermauert seine Warnung bereits. Der durchschnittliche Dieselpreis in den USA kletterte am Donnerstag erstmals auf sechs Dollar pro Gallone – befeuert durch den Iran-Konflikt und ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien, die das Angebot zusätzlich verknappen. Brent-Öl-Futures steuern auf ein Wochenplus von acht Prozent zu.

Für Chevron selbst gibt es aber auch entlastende Signale aus Kasachstan. Wirth berichtete, die US-Regierung unter Präsident Trump habe mit der Ukraine über deren Angriffe auf russische Ölinfrastruktur am Schwarzen Meer gesprochen – seither verzeichne das Unternehmen weniger Beeinträchtigungen seiner dortigen Aktivitäten.

Chevron betreibt das große Tengiz-Ölfeld in Kasachstan und hält einen Anteil am Caspian Pipeline Consortium, das die Exportpipeline von Tengiz zum Schwarzen Meer betreibt – eine Route, die in den vergangenen Monaten immer wieder ins Visier ukrainischer Drohnenangriffe geriet.

Wirth nutzte den Auftritt zudem, um Details zur Venezuela-Expansion nachzuschärfen. Die geplante Investition von sieben Milliarden Dollar zum Ausbau der dortigen Aktivitäten soll komplett aus dem Cashflow der drei bestehenden Joint Ventures im Land finanziert werden, ohne externes Kapital.

Erst vergangene Woche hatte Chevron neue Vertragsbedingungen mit der venezolanischen Regierung unterzeichnet, um in zwei neue Ölgebiete zu expandieren und die Förderung bis 2031 auf rund 600.000 Barrel pro Tag mehr als zu verdoppeln.

Für Anleger verdichten sich damit zwei Erzählstränge: ein angespannter Ölmarkt mit strukturell weniger Preispuffern, und ein Konzern, der seine geopolitisch heikelsten Wachstumsprojekte konsequent aus eigener Kraft finanziert.