Pekings Währungshüter stecken in der Zwickmühle. Trotz schleppender Kreditnachfrage im eigenen Land hat Chinas Zentralbank ihre Leitsätze am Sonntag zum 16. Mal in Folge unverändert gelassen. Der Grund liegt jenseits des Pazifiks: Ein restriktiverer Zinskurs der US-Notenbank Federal Reserve engt den chinesischen Spielraum für Lockerungen spürbar ein.
Die People’s Bank of China beließ den einjährigen Referenzzins bei 3,00 Prozent. Auch der fünfjährige Satz verharrt bei 3,50 Prozent. Dieser Wert dient Banken vor allem als Maßstab für langfristige Finanzierungen wie Immobilienkredite.
Wachsende Kluft zu den USA
Die Zinspfade der beiden weltgrößten Volkswirtschaften driften auseinander. Die Fed hob ihre Zinsen in der vergangenen Woche an und signalisierte weitere Erhöhungen, um den Inflationsdruck einzudämmen. In der Folge verharrt der Zinsaufschlag zehnjähriger US-Staatsanleihen gegenüber vergleichbaren chinesischen Schuldtiteln nahe einem Rekordhoch. Dieser Zinsabstand setzt Pekings Geldpolitik enge Grenzen, da zusätzliche Senkungen den Druck auf die eigene Währung verstärken könnten.
Parallel dazu bremsen inländische Faktoren neue Lockerungsschritte aus. Schrumpfende Immobiliensektoren und hoch verschuldete Lokalregierungen drücken die Nachfrage nach Krediten schneller, als neue Wachstumsbranchen die Lücke füllen können. Notenbankchef Pan Gongsheng bezeichnete ein verlangsamtes Kreditwachstum bereits als Normalzustand. Hinzu kommen schmale Zinsmargen der heimischen Geschäftsbanken, deren Ertragskraft durch billigeres Geld weiter unter Druck geraten würde.
Ökonomen gehen davon aus, dass die Notenbank ihre Leitzinsen für das restliche Jahr 2026 auf dem aktuellen Niveau belässt. Ein erneuter Zinsschritt gilt am Markt erst dann wieder als wahrscheinlich, wenn die heimische Nachfrage deutlich stärker einbricht als bisher prognostiziert.


