Zwei Übernahmen, ein vorgezogener US-Markteintritt, ein Verteidigungsgeschäft mit Fahrt — und trotzdem keine angehobene Umsatzguidance. Bei Circus SE klaffen Ankündigungen und Kursrealität weit auseinander.

Alberts schließt die Portfoliolücke

Circus SE übernimmt den belgischen Food-Robotik-Anbieter Alberts. Die Transaktion erfolgt vollständig in Circus-Aktien mit 30-monatigem Lock-up. Den Kaufpreis gibt das Unternehmen erst beim Closing bekannt — der Verwässerungseffekt für Bestandsaktionäre bleibt damit vorerst offen.

Strategisch macht die Akquisition Sinn. Der hauseigene CA-1 braucht mehrere Quadratmeter Grundfläche. Alberts-Systeme kommen mit einem Quadratmeter aus. Damit erschließt Circus Büros, Kliniken und Bildungseinrichtungen als neue Märkte. Alberts bringt Kundenbeziehungen zu Danone, Decathlon und Sodexo mit und ist bereits in sechs Ländern aktiv. Die Integration soll bis Ende des zweiten Quartals 2026 abgeschlossen sein und noch im laufenden Jahr Umsatz beitragen.

Parallel hat Circus die Übernahme von Kitchen Robotics abgeschlossen. Ursprünglich als reine IP-Transaktion über mehr als 30 internationale Robotikpatente geplant, hat Circus nun das gesamte Unternehmen übernommen. Damit sichert sich der Konzern alle Patente, Software-IP und das zugehörige Know-how vollständig.

US-Eintritt ein Jahr früher

Die Kitchen-Robotics-Übernahme zieht den US-Markteintritt von 2027 auf die zweite Jahreshälfte 2026 vor. Bestehende NSF-Zertifizierungen ermöglichen eine sofortige Einsatzbereitschaft. Zielmärkte sind kommerzielle Gastronomie und der US-Verteidigungssektor.

Der Verteidigungsbereich entwickelt sich zum schnellsten Wachstumsfeld. Die Bundeswehr ist seit dem ersten Quartal 2026 vollständig integriert. Deployments in der Ukraine und bei litauischen Streitkräften laufen. Mehr als zehn NATO-Mitgliedstaaten führen aktive Gespräche, darunter Polen und Italien. Der militärische Außeneinsatz-Roboter CA-M hat seine Funktionstests im ersten Quartal 2026 bestanden. Erste Umsätze erwartet Circus bereits 2026 — ein Jahr früher als geplant.

Guidance bleibt, Markt bleibt skeptisch

Trotz der Zukäufe hält Circus die Umsatzguidance für 2026 unverändert: 44 bis 55 Millionen Euro. Der Umsatz 2025 lag bei rund 1,5 Millionen Euro — allerdings nur mit wenigen Wochen operativer Tätigkeit im vierten Quartal. Das bereinigte EBITDA weitete sich auf minus 15,3 Millionen Euro aus.

Zwei Analysehäuser sehen mehr Potenzial. Montega initiiert die Coverage mit Kaufempfehlung und einem Kursziel von 10 Euro. Die Bank erwartet 44,2 Millionen Euro Umsatz in 2026 und 139,9 Millionen Euro bis 2028 — getragen durch Hardware-Skalierung und ein Softwaregeschäft, das bis 2028 auf über 50 Millionen Euro wachsen soll. Den Sprung in die operative Gewinnzone sieht Montega ab 2027. mwb research bestätigt seine Kaufempfehlung mit einem deutlich höheren Kursziel von 46 Euro.

Der Kurs erzählt eine nüchternere Geschichte. Die Aktie notiert bei 6,69 Euro — ein Jahresverlust von knapp 44 Prozent, mehr als 71 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 23,50 Euro. Der Markt wartet auf belastbare Umsätze, nicht auf weitere Ankündigungen.

Ein erster Gradmesser folgt am 16. Juli 2026: Beim Quarterly Update Call muss das Management erklären, wie viele Piloten in echte Aufträge umgewandelt wurden. REWE entscheidet erst im Herbst über einen flächendeckenden Rollout — ein Schlüsselsignal für die Glaubwürdigkeit der Jahresprognose.