UniCredit will die Commerzbank übernehmen. Heute präsentiert die italienische Großbank die ersten Zahlen zur abgelaufenen Annahmefrist. Der Blick der Investoren richtet sich dabei nicht nur auf die reine Quote. Ein komplexes Geflecht aus Derivaten sorgt für reichlich Zündstoff.

Bis Mitte Juni konnten Aktionäre das Angebot annehmen. UniCredit bietet 0,485 eigene Papiere je Commerzbank-Aktie. Investoren reichten rund 140 Millionen Aktien ein. Das entspricht einem Anteil von 12,41 Prozent am Grundkapital.

Parallel hält UniCredit bereits ein gewaltiges Aktienpaket direkt. Gut 302 Millionen Papiere liegen in den Depots der Italiener. Das sichert ihnen knapp 27 Prozent der Stimmrechte.

Derivate rücken in den Fokus

Die wahre Spannung liegt in den weiteren gemeldeten Positionen. UniCredit nutzt Total-Return-Swaps für zusätzliche 3,22 Prozent der Stimmrechte. Hinzu kommen rein bar abgerechnete Instrumente. Diese beziehen sich auf gut 13 Prozent des Kapitals.

Laut UniCredit bringen diese Bar-Instrumente keine direkten Stimmrechte. Die Commerzbank sieht das kritisch. Die Folge: Das Management fordert eine klare Trennung zwischen echten Aktien und Derivaten. Die Bank hat deshalb die BaFin eingeschaltet. Die Aufseher sollen den Sachverhalt prüfen.

Auch die Bundesregierung stellt sich gegen den Deal. Berlin wies das Angebot kürzlich offiziell zurück. Die Prämie sei zu niedrig. Außerdem betonen Politiker die Wichtigkeit der Commerzbank für die heimische Wirtschaft.

Aktie glänzt trotz Widerstand

An der Börse herrscht derweil Gelassenheit. Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei 38,35 Euro. Das Papier kratzt damit am 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro. Auf Jahressicht steht ein sattes Plus von fast 39 Prozent auf der Kurstafel.

Die Übernahmeschlacht geht nun in die Verlängerung. Am 20. Juni startet voraussichtlich eine weitere Annahmefrist. Aktionäre können ihre Papiere dann bis zum 3. Juli einreichen.

Die endgültigen Ergebnisse folgen am 8. Juli. Bis dahin wird der Kapitalmarkt die tatsächliche Machtverteilung genau berechnen. Die nackten Stimmrechte aus echten Aktien wiegen schwerer als komplexe Derivate-Konstruktionen. Daran wird sich der Erfolg des italienischen Vorstoßes messen lassen.