Die Commerzbank hat den Übernahmestreit mit UniCredit auf eine neue Ebene gehoben. Das Frankfurter Institut hat die BaFin eingeschaltet — mit dem Verdacht, dass die veröffentlichten Annahmequoten der Mailänder Bank irreführend sind.
Misstrauen gegenüber UniCredit-Zahlen
Nach Ablauf der regulären Annahmefrist am 16. Juni bezifferte UniCredit ihren kontrollierten Anteil auf rund 39,3 Prozent. Davon entfallen etwa 26,8 Prozent auf den Altbestand und 12,5 Prozent auf während der Offerte angediente Aktien. Inklusive Derivate taxiert UniCredit den potenziellen Einfluss sogar auf 42,5 Prozent.
Das Commerzbank-Management zweifelt öffentlich an diesen Zahlen. Eigene Analysen der Aktionärsstruktur ergaben: Kein einziger institutioneller Investor hat Anteile angedient. Bei Privataktionären blieb die Quote bei minimalen 0,05 Prozent.
Verdacht auf irreführende Kommunikation
Der Verdacht der Commerzbank: Die angedienten Aktien stammen fast ausschließlich von Banken und Parteien, die direkt mit UniCredit verbunden sind und vor der Offerte keine wesentlichen Anteile hielten. Die Bank hat diese Erkenntnisse an die BaFin übermittelt und fordert mehr Markttransparenz. Die Behörde prüft nun, ob irreführende Daten über die tatsächliche Angebotsannahme kommuniziert wurden.
Rückendeckung kommt aus Berlin. Die Bundesregierung hält weiterhin rund 12 Prozent der Anteile und lehnt das Vorgehen der Mailänder Bank als zu aggressiv ab. Einen Verkauf des staatlichen Pakets schließt Berlin derzeit aus. Damit bleibt ein mögliches Delisting der Commerzbank faktisch schwer realisierbar.
Aktie nahe Allzeithoch, Nachfrist läuft
Der Markt reagiert gelassen auf die juristische Eskalation. Die Aktie schloss zuletzt bei 37,88 Euro — nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro, das erst am 19. Juni markiert wurde. In den vergangenen sieben Tagen legte der Titel 4,35 Prozent zu.
Operativ läuft es für die Commerzbank. Das Management peilt für 2026 ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro an.
Aktionäre, die ihre Papiere noch nicht eingereicht haben, können dies bis zum 3. Juli tun. Das offizielle Endergebnis der Übernahmeofferte folgt am 8. Juli. Bis dahin dürfte die BaFin-Prüfung den Zeitplan von UniCredit erheblich belasten.
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