Die Frist ist abgelaufen. In der Nacht zum 4. Juli endete das verlängerte Umtauschangebot der UniCredit für die Commerzbank. Nun zeichnet sich ab, dass die Mailänder Großbank eine dominierende Position erreicht hat.
Prämie treibt die Annahmequote
Offizielle Zahlen fehlen noch. Die italienische Zeitung „Milano Finanza“ meldet jedoch bereits Annahmequoten von rund 15 Prozent. Die Rally der UniCredit-Aktie hat diesen Endspurt offenbar befeuert. Dadurch stieg die implizite Prämie des Angebots auf über fünf Prozent. Dies machte den Umtausch für Commerzbank-Aktionäre deutlich attraktiver.
Zählt man die bereits direkt und über Optionen gehaltenen Anteile dazu, könnte UniCredit auf eine Gesamtposition von über 58 Prozent kommen. Zuvor gingen Beobachter von gut 42 Prozent aus. Eine solche Mehrheit würde das Machtgefüge der Bank grundlegend verändern.
Abwehrkampf und Taktik
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp kämpft vehement gegen die Übernahme. Kurz vor Fristende rief sie die Aktionäre in einem offenen Brief auf, das Angebot auszuschlagen. Das „Handelsblatt“ nannte sie wegen ihres harten Kurses bereits die „Jeanne d’Arc der Commerzbank“.
Trotz eines möglichen Erfolgs rechnen Experten vorerst nicht mit einer schnellen Eingliederung. Analyst Dieter Hein von fairesearch erwartet ein taktisches Vorgehen der Mailänder. Eine Vollkonsolidierung würde kurzfristig die Eigenkapitalquote der Italiener belasten. Daher dürfte UniCredit abwarten, bis der Bund sein restliches Aktienpaket veräußert.
Aktie behauptet ihr Niveau
An der Börse zeigt sich das Papier unbeeindruckt. Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag kaum verändert bei 37,79 Euro. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Plus von rund 34 Prozent auf der Anzeigetafel.
Das Papier notiert in Schlagdistanz zu seinen jüngsten Höchstständen. Vom 52-Wochen-Hoch bei 38,85 Euro trennen den Kurs aktuell weniger als drei Prozent. Der Relative-Stärke-Index signalisiert zudem kein überkauftes Niveau. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt fällt mit rund drei Prozent ebenfalls moderat aus.
Am 8. Juli präsentiert UniCredit das offizielle Endergebnis der Angebotsfrist. Bestätigen sich die aktuellen Marktschätzungen, sichern sich die Mailänder faktisch die Stimmenmehrheit für die nächste Hauptversammlung. Damit könnten sie künftig über die Neubesetzung im Aufsichtsrat bestimmen. Für die vollständige Übernahme bleibt das Aktienpaket der Bundesregierung der entscheidende Baustein.
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