RBC malt ein Bild, das über die bloße Übernahme hinausgeht. Die Bank stuft die Commerzbank von „Outperform“ auf „Sector Perform“ ab und senkt das Kursziel von 43 auf 40 Euro. Der Grund: UniCendits Pläne erhöhen aus Sicht der Analysten die Umsetzungsrisiken und trüben die Sicht auf die Ertragsentwicklung. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 39,37 Euro.

UniCredit rückt näher

UniCredit hält inzwischen 49,65 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank. Die Kontrolle soll ab dem 1. Januar 2027 übernommen werden, vorbehaltlich der erwarteten Zustimmung der Europäischen Zentralbank bis Jahresende.

RBC geht davon aus, dass UniCredit seinen wachsenden Einfluss nutzen wird, um die Pläne durchzusetzen. Ob die Annahmen zu Kosteneinsparungen, Restrukturierungsaufwand und Bewertung aufgehen, sei fraglich, sobald UniCredit vollen Zugang zur Bank hat. Entsprechend hebt RBC die Eigenkapitalkosten von 11 auf 12 Prozent an.

Zwei Phasen im RBC-Szenario

Im Basisfall bleibt die Commerzbank zunächst eigenständig („Unlocked“-Phase). RBC rechnet mit Restrukturierungskosten von 2,2 Milliarden Euro, Einsparungen von 1,4 Milliarden Euro und entgangenen Erlösen von 650 Millionen Euro. Zugleich sollen 4 Milliarden Euro Kapital freigesetzt werden.

Unterm Strich hebt das die Schätzung für den Gewinn je Aktie 2030 um 7 Prozent. Die Ausschüttungsprognose für 2027 senkt RBC dagegen. Die Analysten unterstellen, dass sie komplett als Bardividende fließt.

In der zweiten Phase („New Chapter“) könnte die Commerzbank die UniCredit-Tochter HVB übernehmen. RBC hielt eine solche Transaktion schon früher für strategisch sinnvoll. Bei einem Preis von 25 Milliarden Euro ergäbe sich bis 2030 eine Rendite von 11 Prozent, bei voller Synergiehebung 13 Prozent.

Folgen für Streubesitz und DAX

Finanzieren würde die Commerzbank den Kauf laut RBC mit eigenen Aktien. UniCredits Anteil stiege dann auf 67 bis 70 Prozent. Zusammen mit den 8 Prozent des Bundes bliebe nur ein kleiner Teil im Streubesitz, was die Zugehörigkeit zu großen Indizes wie dem DAX gefährden könnte. Hinzu käme ein mögliches Pflichtangebot an die Minderheitsaktionäre der polnischen Tochter mBank.

Makro-Rückenwind und nächster Termin

Das Umfeld liefert parallel Stoff. Die Inflation im Euroraum stieg im September auf 3,8 Prozent, den höchsten Wert seit drei Jahren. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer verweist auf die Energiepreise, die Unternehmen zunehmend weitergäben. Ökonomen erwarten eine weitere EZB-Zinserhöhung, nach Einschätzung einiger spätestens im Dezember. Für Banken sind höhere Zinsen grundsätzlich ein Ertragstreiber.

Konkreten Aufschluss über den operativen Kurs liefert die Commerzbank am 5. November mit den Zahlen zum dritten Quartal.