Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank hat eine neue politische Wendung genommen. Die Bundesregierung signalisiert nach Informationen der FAZ, dass sie eine Fusion mit der italienischen Unicredit nicht länger blockieren will. Bundeskanzler Merz wird mit den Worten zitiert: „Wir verhindern nicht diese Fusion.“ Europa brauche starke Banken. Für die Commerzbank-Aktie ist das ein Signal von Gewicht, denn genau diese politische Rückendeckung galt bislang als zentrales Hindernis für die Italiener.

Die Aktie schloss am Mittwoch bei 38,30 Euro und legte damit um 1,73 Prozent zu. Zum 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, erst Mitte Juli markiert, fehlen nur noch 2,25 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Kursplus von 29,35 Prozent zu Buche – ein Anstieg, der maßgeblich vom Übernahmepoker getrieben wird.

Unicredit rückt an die Kontrollmehrheit heran

Nach ihrem Übernahmeangebot hält Unicredit inzwischen 47,59 Prozent der Commerzbank-Anteile, Stand Anfang Juli 2026. Damit dürfte die italienische Großbank auf der kommenden Hauptversammlung faktisch über die Stimmenmehrheit verfügen. Die Bundesregierung selbst hält weiterhin 12 Prozent an dem Frankfurter Institut.

Genau diese Konstellation befeuert eine Debatte, die die FAZ unter Berufung auf eine Studie des Forschungsinstituts SAFE aufgreift: Reicht die gesetzliche Kontrollschwelle von 30 Prozent nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz überhaupt aus, um eine tatsächliche Hauptversammlungsmehrheit zu sichern? Die Untersuchung zeigt, dass ein Anteil von 30 Prozent bei Dax- und MDax-Hauptversammlungen zwischen 2023 und 2025 nur in rund einem Drittel der Fälle für eine Mehrheit ausreichte – bei einer durchschnittlichen Teilnahmequote von 71 Prozent. Studienautor Bero Gebhard schlägt deshalb vor, die Schwelle auf 33 Prozent anzuheben. Im konkreten Fall Commerzbank ist die Diskussion um die 30-Prozent-Marke durch Unicredits faktischen Anteil von fast 48 Prozent allerdings längst überholt.

Rücktritt im Aufsichtsrat verschärft die heikle Phase

Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch den Rückzug von Harald Christ. Der Unternehmer, seit 2023 einer von zwei Vertretern des Bundes im Aufsichtsrat der Commerzbank, tritt bei der nächsten Hauptversammlung nicht erneut an. Laut Handelsblatt informierte er Aufsichtsratschef Jens Weidmann, das Bundesfinanzministerium sowie die Finanzagentur über seinen Schritt. Als Grund gilt ein möglicher Zusammenhang mit dem laufenden Übernahmekampf. Die Bundesregierung muss nun in einer ohnehin heiklen Phase einen Nachfolger für das Aufsichtsratsmandat finden – just in dem Moment, in dem Unicredit auf der kommenden Hauptversammlung voraussichtlich über die Stimmenmehrheit verfügt.

Orlopp fordert Prämie für die Aktionäre

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp positionierte sich in einem CNBC-Interview unmissverständlich. Sie erklärte, die Bank werde für ihre Aktionäre kämpfen, und forderte von Unicredit einen Aufschlag auf den gebotenen Preis. Zugleich kritisierte sie die aus ihrer Sicht fehlende Klarheit der Italiener über die geplante Integration mit der HypoVereinsbank. Orlopps Auftritt fällt in eine Phase, in der die politische Blockadehaltung in Berlin bröckelt – ein Umstand, der ihre Verhandlungsposition gegenüber Unicredit tendenziell schwächt, selbst wenn sie öffentlich auf Eigenständigkeit und einen höheren Preis pocht.

Ausblick für Anleger

Die Gemengelage bleibt für die Commerzbank-Aktie ungewöhnlich politisch aufgeladen. Auf der einen Seite steht ein Management, das offen für Aktionärsinteressen und einen höheren Übernahmepreis wirbt. Auf der anderen Seite eine Bundesregierung, die eine Fusion nicht mehr verhindern will, und ein Großaktionär, der mit fast 48 Prozent bereits nah an die faktische Kontrolle herangerückt ist. Der Rückzug von Harald Christ aus dem Aufsichtsrat unterstreicht, wie unmittelbar der Übernahmekampf inzwischen auch die Unternehmensführung selbst erfasst. Wie sich Unicredit zu Orlopps Forderung nach einem Aufschlag positioniert und wer den Bundesposten im Aufsichtsrat übernimmt, dürfte die nächsten Wochen an der Börse prägen.