Die erste Annahmefrist ist abgelaufen — und das Ergebnis ernüchtert UniCredit. Nur 12,51 Prozent der Commerzbank-Aktionäre haben das Umtauschangebot der Italiener angenommen. Seit Samstag läuft die zweite Annahmefrist, die bis zum 3. Juli 2026 geht.
UniCredit hält 42,5 Prozent — aber kaum freiwillig
Der Gesamtanteil von UniCredit klingt imposant. Die Bank hält bereits 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien im Bestand, hinzu kommen Instrumente mit Anspruch auf physische Lieferung von weiteren 3,22 Prozent. Mit den nun angedienten 12,51 Prozent ergibt sich eine Gesamtposition von 42,5 Prozent.
Das Problem: Commerzbank zweifelt an der Qualität dieser Annahmen. In einer Mitteilung vom 10. Juni erklärte die Bank, eigene Daten hätten bis dahin keinen einzigen institutionellen Investor gezeigt, der Aktien angedient habe. Die angedienten Papiere stammten nach ihrer Einschätzung fast ausschließlich von Banken und mit UniCredit verbundenen Parteien. Obendrein meldete Commerzbank eine ungewöhnliche Zunahme der Wertpapierleihe bei eigenen Aktien und übermittelt der BaFin laufend entsprechende Daten.
Kurs über dem Angebotswert
Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank lehnen das Angebot weiterhin ab. Die Offerte biete weder eine angemessene Prämie noch einen überzeugenden Zusammenschlussplan. Aktionäre sollen das Angebot nicht annehmen.
Der Markt gibt ihnen bislang recht. Die Aktie schloss am Freitag bei 38,37 Euro — nur 1,24 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro. Bereits am 10. Juni hatte Commerzbank darauf hingewiesen, dass der Aktienkurs während der Annahmefrist deutlich über dem impliziten Wert der Gegenleistung lag. Der Abstand betrug damals rund 6 Prozent oder 2,30 Euro je Aktie. UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien für jede Commerzbank-Aktie.
Auf Zwölfmonatssicht hat die Commerzbank-Aktie knapp 39 Prozent zugelegt. Der Kurs liegt 12,94 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 33,97 Euro — ein Niveau, das den Übernahmedruck klar einpreist.
Bis 3. Juli zählen die Stimmen
Die zweite Annahmefrist endet am 3. Juli 2026. Bis dahin entscheidet sich, ob UniCredit genug unabhängige Aktionäre überzeugen kann — oder ob das Ergebnis der ersten Frist das wahre Bild zeichnet. Neue Angaben beider Seiten zur Zusammensetzung der angedienten Aktien könnten die Wahrnehmung am Markt rasch verschieben. Solange keine endgültige Annahmequote vorliegt, bleibt der Übernahmestreit der bestimmende Faktor für die Kursbildung der Aktie.
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