UniCredit-Chef Andrea Orcel will offenbar deutlich schneller zugreifen als bislang angenommen. Statt wie zuletzt kommuniziert im zweiten Quartal 2027 soll die Kontrolle über die Commerzbank nun schon im Januar möglich sein, im Basisszenario bis Ende Februar. Ein Bericht der „Financial Times“ unter Berufung auf informierte Personen zeichnet damit einen deutlich strafferen Fahrplan als bisher erwartet.
Der Weg dahin führt über eine außerordentliche Hauptversammlung, sobald alle behördlichen Freigaben vorliegen. Dort will Orcel nach dem Bericht sämtliche zehn Aufsichtsratsmitglieder der Anteilseignerseite austauschen und sich damit im 20-köpfigen Gremium eine faktische Mehrheit sichern. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp soll dem Vernehmen nach ebenfalls ihren Posten räumen.
Bund pocht auf Mitsprache
Brisant ist der Umgang mit der Bundesregierung, die über die KfW noch gut 12 Prozent an der Commerzbank hält und damit zweitgrößter Aktionär ist. Der Bund fordert zwei Sitze im künftigen Aufsichtsrat – Orcel will diesem Ansinnen laut Bericht eine Absage erteilen.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte sich Mitte September erstmals mit dem UniCredit-Chef getroffen und danach betont, die Commerzbank solle als börsennotierte Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt und starkem Mittelstandsgeschäft bestehen bleiben.
Genau hier liegt der wunde Punkt: In Frankfurt kursieren Sorgen, dass ein Kontrollwechsel in einer Verschmelzung mit der HypoVereinsbank münden und München als neuer Hauptsitz infrage kommen könnte. Konkret geplant sind laut Bericht Einschnitte im internationalen Geschäft sowie ein Abbau von rund 20 Milliarden Euro an Unternehmenskrediten außerhalb der Kernmärkte Deutschland und Polen – Mittelstandskredite sollen davon ausgenommen bleiben.
Beim Personalabbau klaffen die Zahlen auseinander. Commerzbank-intern war zuletzt von rund 7.000 gefährdeten Stellen die Rede, Gewerkschaften sprachen von bis zu 15.000 Jobs – Orcel hat diese höhere Zahl zurückgewiesen.
Aktionärsstruktur bereits entschieden
UniCredit hält inklusive Kaufoptionen inzwischen 47,6 Prozent an der Commerzbank. Orlopp selbst hatte bereits Anfang August eingeräumt, die Bank habe faktisch „einen Kontrollaktionär“, und mit Genehmigungen im vierten Quartal gerechnet. Die Commerzbank-Aktie legte im Xetra-Handel zeitweise um 0,71 Prozent zu, UniCredit-Titel gewannen in Mailand ähnlich deutlich.
Bis zur tatsächlichen Kontrollübernahme braucht UniCredit noch grünes Licht von Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und polnischer Finanzaufsicht. Der jetzt kolportierte Zeitplan gilt deshalb als ambitioniert, nicht als gesichert. Wie die Bundesregierung auf die angekündigte Zurückweisung ihrer Aufsichtsratsforderung reagiert, dürfte in den kommenden Wochen zur zentralen politischen Frage werden.
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