Die Übernahmefrage rund um die Commerzbank tritt in eine neue Phase ein. Vorstandschefin Bettina Orlopp und UniCredit-Chef Andrea Orcel haben am Montag erste formale Gespräche geführt. Im Mittelpunkt standen dabei laut Bloomberg bilanzielle, rechtliche und aufsichtsrechtliche Fragen im Zusammenhang mit einer möglichen Konsolidierung unter EZB-Regulierung.

Damit bekommt der seit Monaten schwelende Machtkampf um die Commerzbank erstmals eine konkrete Gesprächsebene. Orlopp hatte sich bereits Anfang der Woche in einem Bloomberg-TV-Interview versöhnlicher gezeigt als zuvor und erklärt, es sei „unsere Aufgabe, gemeinsam mit UniCredit herauszufinden, wie wir Wert schaffen können“. Bereits Ende Juli hatte sie angekündigt, dass beide Häuser in den kommenden Wochen und Monaten Schritt für Schritt klären wollten, wie es weitergeht.

Aktienrückkauf trotz laufender Übernahmegespräche

Parallel zu den Gesprächen mit UniCredit treibt die Commerzbank ihr eigenes Kapitalprogramm voran. Die Europäische Zentralbank hat einen im Juli beantragten Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro bereits genehmigt – es wäre der nächste in einer Reihe von Rückkaufprogrammen.

Erst im März hatte die Bank ihr sechstes Rückkaufprogramm abgeschlossen, in dessen Rahmen sie Aktien im Volumen von 524 Millionen Euro zu einem Durchschnittskurs von rund 33,45 Euro erworben hatte.

Dass die EZB einen weiteren Rückkauf genehmigt, während parallel eine mögliche Übernahme durch UniCredit verhandelt wird, unterstreicht die ungewöhnliche Doppelrolle der Commerzbank derzeit: Sie agiert als eigenständiger Konzern mit ambitionierten Kapitalrückführungen und ist zugleich Gegenstand einer strategischen Übernahmeprüfung durch ihren größten Einzelaktionär.

UniCredit hatte sich im Juli über ein Andienungsverfahren rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien gesichert und kann nach behördlicher Genehmigung auf bis zu 50 Prozent der Stimmrechte zugreifen.

Rekordhalbjahr liefert Verhandlungsbasis

Die Gesprächsbereitschaft beider Seiten fällt in eine Phase, in der die Commerzbank operativ so stark wie nie zuvor auftritt. Das Halbjahresergebnis, das die Bank vor gut einer Woche vorgelegt hatte, zeigte ein operatives Ergebnis von 2,7 Milliarden Euro und ein Nettoergebnis von 1,8 Milliarden Euro.

Die Nettoeigenkapitalrendite kletterte auf einen Rekordwert von 12,6 Prozent, für das Gesamtjahr peilt die Bank rund 12 Prozent an. Der Ausblick für 2026 mit einem Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro wurde bestätigt.

Diese Zahlen verschaffen dem Commerzbank-Management in den Gesprächen mit UniCredit eine gewisse Stärke: Je robuster die eigene Ertragslage, desto weniger Druck entsteht, sich auf ungünstige Konditionen einzulassen. Zugleich zeigt die fortgesetzte Kapitalrückführung, dass der Vorstand trotz der schwebenden Übernahmefrage am eigenständigen Kurs festhält.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse hat sich die Nachrichtenlage bislang nur moderat niedergeschlagen. Die Aktie notiert bei 39,34 Euro und damit nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, das erst am Donnerstag markiert wurde. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 35,19 Euro liegt bei 12 Prozent, was auf einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend hindeutet.

Ein RSI von 59,5 signalisiert dabei weder Überkauft- noch Überverkauftheit – der Markt scheint die Entwicklung derzeit mit Gelassenheit zu begleiten, während die eigentliche Entscheidung über die Zukunft der Bank noch aussteht.