Noch vier Tage. Dann läuft die Nachfrist für das UniCredit-Übernahmeangebot ab — und die Commerzbank kämpft mit einem ungewöhnlichen Argument: Die eigenen Zahlen der Mailänder erzählen eine andere Geschichte als die Realität.
12,51 Prozent — oder doch nur 1 Prozent?
Nach dem Ende der regulären Annahmefrist am 16. Juni meldete UniCredit eine Annahmequote von 12,51 Prozent der Commerzbank-Aktien. Vorstandschefin Bettina Orlopp widerspricht dieser Darstellung. Laut ihr haben lediglich rund 1 Prozent der unabhängigen Privatanleger und institutionellen Investoren ihre Papiere tatsächlich angedient.
Die Erklärung des Frankfurter Managements: Der Großteil der eingereichten Aktien stamme aus dem direkten Umfeld von Banken und Derivate-Gegenparteien, die eng mit UniCredit verbunden sind. Echte Unterstützung aus der Aktionärsbasis sieht anders aus. Orlopp wirbt deshalb gezielt um die Loyalität der über 500.000 Privatanleger — die Nachfrist endet am 3. Juli.
Bundesregierung als Sperrblock
Das Umtauschangebot lautet auf 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Orlopp hält diesen Preis für zu niedrig. Er spiegle den langfristigen Wert des Instituts nicht angemessen wider. Das Management setzt stattdessen auf die Eigenständigkeitsstrategie „Momentum 2030″ und verweist auf starke operative Ergebnisse im laufenden Jahr.
Hinzu kommt ein strukturelles Hindernis für UniCredit. Der Bund hält rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile und hat öffentlich signalisiert, das Angebot nicht anzunehmen. Dieser Block gilt als wesentliche Hürde für eine vollständige Integration.
Aktie nahe Jahreshoch
Die Unsicherheit schlägt sich kaum im Kurs nieder. Das Papier schloss zuletzt bei 37,12 Euro — nur rund 4,5 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro, das erst am 19. Juni markiert wurde. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von knapp 39 Prozent. Der RSI liegt bei 51,4 und zeigt keine Überhitzung.
Was jetzt zählt
Das endgültige Ergebnis der Nachfrist veröffentlicht UniCredit voraussichtlich am 8. Juli. Bleibt die Annahmequote unter den Erwartungen, rücken operative Fakten wieder in den Vordergrund. Am 6. August legt die Commerzbank ihren Zwischenbericht für das zweite Quartal vor — dann zeigt sich, wie belastbar die Eigenständigkeitsstrategie wirklich ist.
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