Die Commerzbank-Aktie notiert nahe ihrem Jahreshoch, seit die deutsche Finanzaufsicht UniCredit offenbar grünes Licht für die Fortsetzung ihres Übernahmevorstoßes gegeben hat.

Medienberichten zufolge darf der italienische Großaktionär sein Vorhaben, eine Mehrheitsbeteiligung an der Frankfurter Bank zu übernehmen, weiter verfolgen. Die BaFin hatte den entsprechenden Antrag bereits Ende Juli als vollständig eingestuft und an die Europäische Zentralbank weitergeleitet.

Am Markt kam die Nachricht gut an: Berichten zufolge erreichte das Papier im Zuge der Entwicklung den höchsten Stand seit 2010. Aktuell kostet die Aktie 39,34 Euro, ein Plus von 0,56 Prozent im heutigen Handel. Von ihrem 52-Wochen-Hoch trennen sie nur noch rund 1,3 Prozent – ein Zeichen dafür, wie stark die Übernahmefantasie das Papier zuletzt getrieben hat.

Rekordhalbjahr liefert Argumente

Rückenwind erhält die Aktie auch aus dem operativen Geschäft. Am vergangenen Donnerstag hatte die Commerzbank ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt: Der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn kletterte auf 898 Millionen Euro, nach 462 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Der operative Gewinn lag bei 1,37 Milliarden Euro. Das Institut sprach in seiner Mitteilung von einem „Rekordergebnis“ für das erste Halbjahr und bestätigte den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr.

Parallel zu den Zahlen kündigte die Bank ein Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro an – Teil der geplanten Kapitalrückführung nach dem starken Halbjahr. Laut Reuters zeigte sich das Institut in seiner Kommunikation gegenüber UniCredit selbstbewusst, während sich die Bundesregierung vor gut einer Woche in ihrer bisher kritischen Haltung zur Übernahme etwas offener zeigte.

Kein Startschuss für Verhandlungen

Vorsicht ist bei der Einordnung einzelner Medienmeldungen geboten. Zwar kursierten Berichte über ein Treffen der Vorstandschefs beider Institute, die als erste formelle Gespräche über einen Zusammenschluss gedeutet wurden.

Tatsächlich ging es dabei jedoch um technische Fragen einer möglichen künftigen Konsolidierung – etwa organisatorische und bilanzielle Aspekte im Zusammenhang mit einer möglichen Kontrollübernahme durch UniCredit. Ein Startschuss für förmliche Fusionsverhandlungen war das Treffen nicht.

Auch von der Analystenseite kam zuletzt Zuspruch: JPMorgan veröffentlichte am selben Tag wie die Quartalszahlen ein aktualisiertes Kursziel von 38 Euro und beließ die Einstufung bei „Neutral“. Für heute steht turnusgemäß ein Analystencall zum zweiten Quartal samt Pressekonferenz auf der Agenda – ein Termin, bei dem das Management weitere Details zum Rückkaufprogramm und möglicherweise auch zum Stand der Gespräche mit UniCredit liefern dürfte.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein historisch starkes Halbjahresergebnis, ein milliardenschweres Rückkaufprogramm und ein aufsichtsrechtlich freigegebener Übernahmepfad treffen auf eine Faktenlage, in der von echten Fusionsverhandlungen noch keine Rede sein kann. Die Kursreaktion der vergangenen Tage zeigt, dass der Markt dennoch auf eine weitere Annäherung setzt.