Die Commerzbank steht vor einer Zerreißprobe. Auf der einen Seite glänzt die Bank mit fundamentaler Stärke. Auf der anderen Seite eskaliert der Machtkampf mit der italienischen UniCredit dramatisch. Für mich ergibt sich hier ein paradoxes Bild. Die Übernahmefantasie treibt den Kurs, aber die politischen und juristischen Risiken nehmen bedenkliche Ausmaße an.

Der Plan von UniCredit-Chef Andrea Orcel ist offensichtlich. Er will die Kontrolle über das Frankfurter Traditionshaus. Die Frist für das Tauschangebot endete am Mittwoch. Inklusive Derivaten kontrolliert die italienische Großbank nun schätzungsweise 38 bis 39 Prozent der Anteile.

Das Ziel: eine faktische Mehrheit knapp unter 50 Prozent. Damit sichert sich UniCredit den Durchgriff auf Aufsichtsrat und Vorstand. Ein teures Pflichtangebot für die komplette Übernahme umgeht die Bank so geschickt. Diese schleichende Machtübernahme provoziert massiven Widerstand in Berlin.

Gegenwehr aus Berlin und Frankfurt

Die Bundesregierung hält weiterhin zwölf Prozent an der Commerzbank. Sie lehnt einen Verkauf an die Italiener strikt ab. Das aktuelle Angebot von 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Papier erachte ich als finanziell unattraktiv. Rechnerisch liegt der Wert bei etwa 37,73 Euro.

Die Börse sieht das ähnlich. Mit 38,17 Euro notiert die Commerzbank-Aktie aktuell über dieser Offerte. Das Papier bewegt sich damit hauchdünn unter dem heutigen 52-Wochen-Hoch. Der Markt honoriert die Eigenständigkeit. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp plant langfristig mit strikter Effizienz und attraktiven Ausschüttungen.

Juristisches Störfeuer birgt Gefahren

Dass nun die Justiz eingreift, macht die Lage extrem riskant. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen UniCredit. Es geht um den Verdacht der Marktmanipulation und Marktirreführung. Haben die Italiener der Finanzaufsicht BaFin korrekte Angaben zu ihren Absichten gemacht?

Diese Vorermittlungen treiben die Eskalation voran. Solche Verfahren können sich über Monate hinziehen. Sie drohen, die regulatorische Freigabe durch die EZB oder die BaFin massiv zu verzögern. Schlimmstenfalls blockieren die Behörden den weiteren Ausbau der Anteile komplett.

Mein Urteil: Ein riskantes Spiel

Die operative Dynamik der Commerzbank ist unbestritten. Ein Kursplus von fast 36 Prozent innerhalb von zwölf Monaten spricht für sich. Dennoch nähert sich der RSI mit einem Wert von knapp 63 langsam dem überkauften Bereich.

Mein Fazit fällt eindeutig aus. Die Aktie ist derzeit eine hochriskante Wette. Entweder UniCredit erhöht den Preis drastisch, um den Widerstand zu brechen. Oder die juristischen Hürden erzwingen eine lange Hängepartie. Am morgigen Freitag folgen die offiziellen Ergebnisse des Tauschangebots. Fällt die Übernahmefantasie in sich zusammen, droht ein empfindlicher Kursrücksetzer.